Ein Mahnmal mitten im Wald

Der Stein des Anstoßes – der Opel Corsa im Wasserschutzgebiet im Tegeler Forst. Der Stein des Anstoßes – der Opel Corsa im Wasserschutzgebiet im Tegeler Forst. Foto: mvo

Tegel – Vermutlich hat Daniel C. in seinem Leben nie so viel Aufmerksamkeit erzeugt wie in diesen Tagen. Der mutmaßliche Besitzer des türkisfarbenen Opel Corsa wählte einen besonderen, sogar extravaganten und vermutlich finalen Stellplatz für seinen Wagen. Mit Blick ins Grüne und direkt an der Bushaltestelle an der Heiligenseestraße ist der Ort in puncto Verkehrsanbindung und Naturnähe kaum zu schlagen und Häuslebauer würden für so ein Filetgrundstück ein Vermögen zahlen. Aber Daniel C. hatte nicht mal genug Geld, um seine Verkehrsrechtsschutzversicherung zu bezahlen, geschweige denn ein menschenwürdigeres Quartier als den Opel, der offenbar sein letzter großer Besitz gewesen ist. Auf dem Beifahrersitz stapeln sich unbezahlte Rechnungen wie ein Offenbarungseid, für jeden Waldspaziergänger durch das Fenster einsehbar. Der Fond des Wagens ist mit Jacken und einer Rettungsdecke ausgekleidet, um die herbstliche Kälte zu vertreiben und das eingeschlagene Fahrerfenster wurde notdürftig mit Plane verhangen. Autoradio und Sitze haben noch keinen Vandalen gelockt.

Schnell wird klar, dass dies wohl eine letzte Art von Heimat für Daniel C. war. Nun ist der Corsa praktisch ein sehr persönliches Mahnmal geworden, ein Stein des Anstoßes sozusagen, und dies an einer Stelle, die ihm keiner gönnen will und kann. Praktisch im Wald und damit im Wasserschutzgebiet III sehen viele in dem Wagen offenbar vor allem ein Problem des Ordnungsamtes. Dieses hatte den Wagen bereits am 17. September mit einem gelben Aufkleber versehen, der den Besitzer – bisher vergeblich – zur Entfernung auffordert. Felix Schönebeck von der Initiative „I love Tegel“ sieht in dem Wagen vor allem ein Mahnmal für die vielen Missstände in der Berliner Verwaltung und fürchtet bald weitere Schrottautos an dieser Stelle. Immerhin stranden rund 3.000 Autos pro Jahr auf Berlins Straßen und müssen in der Regel zu Lasten des Steuerzahlers eingesammelt werden. Ob Daniel C. mit diesem Parkplatz nur die schnelle Entledigung von seinem Besitz suchte oder sich von hier aus zu einer Wanderung in den Wald aufmachte, von der er bis heute nicht zurückkehrte, ist nicht bekannt. Vermutlich hat bisher auch niemand dort nach ihm gesucht. mvo

Letzte Änderung am Montag, 06 November 2017 16:36
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