„Wir manövrieren Sie da durch“

Beate Romanowski und Caroline Abdul Razzak informieren im Hermann-Ehlers-Haus über ehrenamtliche Vormundschaften. Beate Romanowski und Caroline Abdul Razzak informieren im Hermann-Ehlers-Haus über ehrenamtliche Vormundschaften. Foto: ima

Wittenau – 1.611 unbegleitete minderjährige Geflüchtete (Stand August 2017) halten sich zurzeit in Berlin auf – etwa 50 kommen pro Monat dazu. Überwiegend sind sie männlich, zwischen 15 und 16 Jahre alt und aus Afghanistan, Gambia, Guinea oder Syrien. Wie dringend ehrenamtliche Vormünder gesucht werden, erzählten Beate Romanowski, Leiterin des Betreuungs- und Vormundschaftsverein der Caritas, und die Sozialarbeiterin Caroline Abdul Razzak bei einer Informationsveranstaltung im Hermann-Ehlers-Haus, zu der Rebecca de Vries, Flüchtlingsbeauftragte vom Evangelischen Kirchenkreis Reinickendorf, eingeladen hatte.

Die Jugendhilfe nimmt die Jugendlichen, wenn sie in Deutschland ankommen, in Obhut und bestellt einen gesetzlichen Vertreter. „Amts- und Vereinsvormünder versorgen 50 Mündel“, sagt Romanowski. Da können sie sich natürlich nicht individuell kümmern. Genau diese Betreuung brauchen die Geflüchteten, die häufig traumatisiert und deren Erwartungen an das Leben hier nicht realistisch sind.

Wenn die Jugendlichen in Deutschland sind, startet das Clearing-Verfahren, bei dem der Entwicklungsstand, Familienangehörige und der Gesundheitszustand geklärt wird. Erst zum Ende oder nach diesem Verfahren steigt der Ehrenamtliche ein. Im Zentrum einer Vormundschaft stehen das Asyl- und das Berufsqualifizierungsverfahren.

Wie wird man ehrenamtlicher Vormund? Nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung füllt der Ehrenamtsinteressierte einen Erstaufnahmezettel aus. Dann führt Caroline Abdul Razzak ein sozialpädagogisches Eignungsgespräch. In diesem geht es um die Motivation sowie um die Familie und die Freunde. Denn in jeder Vormundschaft kommt der Zeitpunkt, an dem man an seine Grenzen kommt und die Unterstützung von seinem Umfeld braucht. Danach wird ein erweitertes Führungszeugnis angefordert. Schließlich nehmen die Ehrenamtlichen an einer Schulungsreihe teil. „Wenn man fünf Stunden Vormundschaftsrecht schafft, bleibt man dran und das Matching beginnt“, sagt die Sozialarbeiterin. Zu diesem Prozess gehören drei Treffen, bei denen der Ehrenamtsinteressierte und der Geflüchtete schauen können, ob „die Chemie“ passt. Nachdem die Schulung vorbei ist, wird ein Antrag beim Familiengericht gestellt, das dann per Beschluss die Vormundschaft überträgt.

Der Vormund ist der übergeordnete rechtliche Vertreter. „Er muss bei großen Operationen oder Impfungen zustimmen, aber keine Entschuldigungsschreiben verfassen.“ Zum Beispiel müssen Kontoeröffnungen oder auch die Mitgliedschaft im Fitness- Studio mit unterschrieben werden. Dabei sind insbesondere den Wünschen der Jugendlichen Rechnung zu tragen. Der Vormund ist verpflichtet, sich aktiv am Hilfeplanverfahren des Jugendamtes zu beteiligen.

Eine besondere Belastung stellt für Jugendliche sowie für die Ehrenamtlichen das Asylverfahren dar – wenn es zu einem solchen kommt, denn es gibt die Möglichkeit, den Aufenthalt über eine Ausbildung zu sichern. „Wir sind für Sie da und können auf caritasinterne Strukturen zurückgreifen. Wir manövrieren Sie da durch“, sagt Razzak zu den Interessenten. ima

 Weitere Infos unter www.caritas-berlin. de, bei Caroline Razzak unter Tel. (030) 26398 0930, bei Aileen Merkel unter Tel. (030) 26398 0937 oder an vormundschaftsverein@caritas-berlin. de. Die telefonischen Sprechzeiten finden montags von 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 15.30 bis 17.30 Uhr statt. Der Vormundschaftsverein sitzt in Friedrichshain.

 

Letzte Änderung am Montag, 06 November 2017 16:37

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