Freizeit für die Blauen Engel

Markus Schneid ist Pressesprecher des Ortsverbandes Reinickendorf vom THW. Markus Schneid ist Pressesprecher des Ortsverbandes Reinickendorf vom THW. Foto: du

Bezirk – Normalerweise werkeln sie nach Feierabend in ihren Hallen in der Flottenstraße, aber bei Katastrophen kommen sie ganz groß raus: Die Blaufrauen und Blaumänner vom Technischen Hilfswerk (THW). Unser Redakteur Harald Dudel hat sich für die RAZ dort umgehört.

Herr Schneid, Sie sind Pressesprecher des Ortsverbandes Reinickendorf vom Technischen Hilfswerk. Wie und in welchen Situationen kommt der normale Reinickendorfer mit dem Technischen Hilfswerk oder seinen Dienstleistungen in Berührung?
Markus Schneid: Wenn er in eine Gefahrenlage gerät und wir bei unseren Einsätzen versuchen ihm zu helfen. Im Alltag und bei Sonnenschein präsentieren wir uns manchmal auch wie beim jährlichen „Lebensrettertag“. Da zeigen wir, wer wir sind und was wir zu bieten haben. Dabei stehen wir natürlich Interessierten jeden Alters Rede und Antwort.

Wie konnten Sie bei den letzten Sturmschäden konkret in Reinickendorf helfen?
Auf Anforderung der Berliner Feuerwehr haben wir an verschiedenen Einsatzorten entwurzelte Bäume entfernt sowie lose Gerüstteile gesichert, damit sie nicht auf Wege stürzen.

Worin bestehen – mal abgesehen von den Sturmschäden – Ihre Leistungen genau?
Unser Oberbegriff lautet technische Hilfeleistungen: Vom klassischen Keller-Leerpumpen bei Hochwasser oder mit unseren Booten Menschen Tiere und Sachwerte retten, über das Transportieren von Sandsäcken bis hin zum Bringen der Helfer an den Einsatzort. Da nicht jeder Einsatz bei Tageslicht stattfindet, muss unsere Fachgruppe Beleuchtung manche Einsatzorte großflächig ausleuchten – beispielsweise einen drei Kilometer langen Deich. Ebenso haben wir eine Fachgruppe Infrastruktur, die sich um Wasser, Abwässer sowie Strom kümmert und ausgefallene Infrastruktur behelfsmäßig wiederherstellen und im wahrsten Sinne des Wortes überbrücken kann. Am breitesten aufgestellt sind unsere drei Bergungsgruppen für das Freiräumen von Wegen, umgestürzte Bäume entfernen sowie Sandsäcke füllen und unter Anleitung auch fachgerecht anlegen.

Welches technische Gerät steht Ihnen dafür zur Verfügung?
Wir haben eine große Auswahl an technischem Gerät, das wir vom Bund gestellt bekommen. Für den Rest greifen wir auf Unterstützung unseres örtlichen Fördervereins zurück.

Bund heißt in diesem Fall?
Bundesministerium des Inneren.

Welche Berufe sind im Rahmen ihrer technischen Hilfe Leistungen gefragt?
Schwerpunktmäßig handwerkliche Berufe, aber wir haben unter unseren 120 Reinickendorfer Helferinnen und Helfern sehr viele Berufsgruppen: Vom Handwerker über den Ingenieur bis hin zum Juristen.

Und ihre Helferinnen und Helfer arbeiten ehrenamtlich?
Ja, in Reinickendorf sind 100 Prozent unserer 120 Helferinnen und Helfer ehrenamtlich.

Ist dann tagsüber zur Arbeitszeit bei Ihnen überhaupt besetzt?
Tagsüber ist normalerweise nicht besetzt. Wir treffen uns regelmäßig Montagabend ab 19 Uhr zum Dienst sowie zur Ausbildung. Die einzelnen Gruppen haben aber unter der Woche eventuell noch einen zusätzlichen Tag. Ausnahme stellen natürlich immer Einsätze dar. Dann kommen wir unter Umständen natürlich auch tagsüber.

Sind Sie nur in Reinickendorf tätig oder in ganz Berlin beziehungsweise Berlin-Brandenburg?
Für unseren gestrigen Einsatz wurden wir von der Berliner Feuerwehr gerufen zu einer Einsatzstelle in Friedrichshain/Kreuzberg zwecks Absicherung eines Baugerüsts.

Welche generellen Eingangs-Qualifikationen sind erforderlich?
Sie sollten idealerweise ihren Wohnsitz in Deutschland haben und der deutschen Sprache mächtig sein. Sie sollten außerdem über eine Grund- Immunisierung verfügen und sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen.

Gehören auch Auslandseinsätze zu ihrem Aufgabengebiet?
Ja, sofern wir angefordert werden und eine spezielle Qualifikation des Einzelnen dafür vorliegt. Von unseren 120 Reinickendorfer Helferinnen und Helfer verfügen knapp zehn über diese Qualifikation. So wie bei den Auslands-Einsätzen in Nepal vor ein paar Jahren sind Verbindungs-Leute dann in den deutschen Botschaften vor Ort. In der Nähe vom Frankfurter Flughafen ist ständig eine Trinkwasseraufbereitungsanlage verlastet und kann innerhalb von zwei Tagen an den Einsatzort geschafft werden.

Haben Sie Nachwuchssorgen und möchten Sie an dieser Stelle um Nachwuchs werben?
Nachwuchssorgen haben wir keine. Trotzdem machen wir Jugendarbeit, damit wir unseren Nachwuchs aus den eigenen Reihen heranziehen können. Dann kennen wir die Jungs und Mädchen schon und können einschätzen, wohin sie von den Fähigkeiten gehören.

Ich habe gehört, dass Kids schon ab zehn Jahren bei Ihnen einsteigen können?
Das trifft zu: Bei uns sind 13 Junghelferinnen und Junghelfern in Reinickendorf. Die machen eine Mischung aus Ausbildung, Ausflügen und Spielen. Einmal pro Woche treffen sie sich hier unter Anleitung ihres Jugendbetreuers.

Wissen Sie, aus welchen Gründen ihre bisherigen Mitglieder zum technischen Hilfswerk kommen und warum sie auch dableiben?
Wir haben vor einem Jahr eine Untersuchung dazu gemacht. Technikbegeisterung, Hilfsbereitschaft und Freude an der Teamarbeit waren die wichtigsten Motive.

Was sagen die Arbeitgeber der Nebenberuflichen dazu?
In der Regel unterstützen sie uns, aber natürlich kann es gerade bei guten Leuten immer mal wieder zu Engpass- Situationen kommen. Im nächsten Jahr bieten wir deshalb auch Veranstaltungen für Arbeitgeber.

Was wünscht man sich in THWKreisen?
Auch wir pflegen ein klassisches „Glück auf“.

Dann bedanken wir uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihren Kameraden ein herzliches „Glück auf“.
Interview Harald Dudel

Letzte Änderung am Donnerstag, 09 November 2017 16:28

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