Die Stadt ist gut für die Kinder

Mit ihren vier Kindern leben Ezzat Mohammed und seine Frau Warda Hassan in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der früheren Karl-Bonhoeffer-Klinik. Mit ihren vier Kindern leben Ezzat Mohammed und seine Frau Warda Hassan in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der früheren Karl-Bonhoeffer-Klinik. Foto: star

Wittenau – Die Oranienburger Straße entlang. Immer geradeaus nach Süden. In die Richtung, in der die breite Magistrale irgendwann einen anderen Namen trägt. Ollenhauerstraße. Dann irgendwann an der Einmündung nach rechts. In die Auguste-Viktoria-Allee. Der Weg von seiner Unterkunft auf Zeit zum Mehrgenerationenhaus und Stadtteilzentrum der gemeinnützigen Gesellschaft Albatros war einer der ersten, den Ezzat Mohammed in Reinickendorf gegangen ist. Denn in dem Gebäude mit der Hausnummer 17a laufen viele Angebote für Flüchtlinge im Bezirk zusammen. Ab und an weist der 40-Jährige Neuankömmlingen den Weg dorthin. Denn längst kennt er sich aus im Berliner Norden. Vielleicht wäre Reinickendorf sogar schon zu einer zweiten Heimat für den Mann aus Syrien geworden – wenn seine Wohnsituation eine andere wäre. Mit seiner Frau Warda Hassan (42), den beiden Töchtern und den zwei Söhnen lebt er in einer der beiden Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Es ist die größte Berliner Flüchtlingsunterkunft. Rund 600 Männer, Frauen und Kinder leben in den Gemeinschaftsunterkünften – aus dem Kosovo, Russland, Albanien, Serbien, Syrien oder dem Iran. Weitere 300 Geflüchtete leben in zwei Notunterkünften auf dem Areal.

Im Juli werden es vier Jahre, seit Ezzat Mohammed mit den Seinen in Berlin angekommen ist. Über Bulgarien ist die syrische Familie eingereist, weshalb sie bis heute in Deutschland nur geduldet ist. Eine Situation, die an Mohammeds Nerven zerrt. „Ich arbeite seit 25 Jahren – und will hier nicht länger rumsitzen“, sagt der gelernte Autolackierer. In Aleppo sei er bei einer großen Firma beschäftigt gewesen. Ebenso in Zypern, wo er acht Jahre lang lebte. Aber solange nicht klar ist, ob die Familie in Deutschland bleiben kann, hat Ezzat Mohammed keinen Anspruch auf einen Deutsch-Kurs – und so lange hat er auch Probleme, Arbeit zu finden.

Am wichtigsten ist ihm die Zukunft seiner Kinder. „Ich wünsche mir, dass sie hier studieren“, sagt er. Die älteste Tochter geht in die neunte Klasse. „Sie lernt Deutsch, Englisch und Spanisch“, sagt Mohammed – und der Stolz in seiner Stimme ist unüberhörbar. Mit dem Englischen habe sie ein paar Probleme. Aber das sei nur der Tatsache geschuldet, dass sie ja kaum in Ruhe lernen könne – bei sechs Personen in einem Zimmer. Er sagt das ohne Vorwurf, lächelt freundlich. „Ich mag die große Stadt, die ist gut für die Kinder“, fügt der Familienvater hinzu.

Gern würde er in Reinickendorf wohnen bleiben. Da kenne er schon viel, habe Kontakt mit den Menschen, in den Schulen seiner Kinder, auch privat: „Ob Deutsche oder Ausländer, ich komme mit allen zurecht, sage zu allen Hallo.“ star

Letzte Änderung am Freitag, 26 Mai 2017 10:26
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Meldungen kurz & knapp

Soziales | Senioren | Kirche

Öffentliche Sitzung der Seniorenvertretung

Wittenau – Die nächste öffentliche Sitzung der Seniorenvertretung findet am 19. Oktober um 9 Uhr im Zimmer 27 im Rathaus Reinickendorf, Eichborndamm 215, statt. Zudem bietet die Seniorenvertretung jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr ihre Sprechstunde an.

Vorlesen für Familien

Tegel – In der Humboldt-Bibliothek ist die Veranstaltungsreihe „Bilderbuchkino plus App“ in die neue Saison gestartet. Nun werden jeden Freitag um 16 Uhr in der Karolinenstraße 19 Geschichten für Kinder ab drei Jahren vorgelesen, die Illustrationen des Buches an einer großen Leinwand gezeigt und im Anschluss Bilderbuch-Apps zum Ausprobieren vorgestellt.

„Arbeitnehmer/in 4.0“

Bezirk – Ab 4. Dezember startet der Kurs „Arbeitnehmer/in 4.0“, bei dem ältere Arbeitssuchende und Nichterwerbstätige die Grundlagen für das Arbeiten im Büro erlangen können. Teilnehmer müssen in Berlin wohnen, arbeitssuchend oder nichterwerbstätig sein und dürfen in keinem Ausbildungsverhältnis stehen. Zugleich sucht die veedu GmbH, die den Kurs anbietet, interessierte Unternehmen, die Praktikumsplätze für die Projektteilnehmenden zur Verfügung stellen. Anmeldung bei Lisa Paetz unter Tel. (030) 7895 46014 oder an lisa.paetz@veedu.de. Weitere Infos unter www.didital-im-beruf.de oder auf der Webseite https://veedu.de.

Angebote für pflegende Angehörige

Märkisches Viertel – Die Pflegebedürftigkeit eines Menschen stellt auch seine Angehörigen vor große Herausforderungen. Häufig sind sie Belastungen ausgesetzt und fühlen sich mit der Situation allein gelassen. Unterstützung und Entlastung stellt die Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf am 13. Oktober von 10 bis 11.30 Uhr im Café Senftenberger am Senftenberger Ring 12 vor. In der Veranstaltung werden der Besuchsdienst, Gesprächs- und Freizeitgruppen und nachbarschaftliche Initiativen vorgestellt. Es gibt Raum für Austausch und Fragen. Das Café Senftenberger ist ein Kommunikations- und Treffpunkt im MV. Das Netzwerk Märkisches Viertel lädt dort jeden 2. und 4. Freitag im Monat zum Kaffeeplausch ein.

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