Mit Trauer nicht alleine bleiben

Monika Ludwig rät zu Ritualen, die Halt in der Trauerzeit geben. Monika Ludwig rät zu Ritualen, die Halt in der Trauerzeit geben. Foto: star

Waidmannslust – „Zu trauern heißt die Liebe spüren“ – für Monika Ludwig ist das der Satz, der den Kern ihrer Arbeit am besten umreißt. Seit 15 Jahren befasst sich die Reinickendorfer Sozialpädagogin professionell und intensiv mit dem Thema Trauer. In einer freien Praxis in Waidmannslust begleitet die 64-Jährige in Gesprächen Menschen, die einen geliebten Verwandten oder Freund verloren haben, auf dem Weg der Trauer.

Üblicherweise stehen doch Freunde oder Familie einem Trauernden bei? Wo ist der Unterschied zur professionellen Trauerarbeit, wie Sie sie anbieten?
Monika Ludwig: Einige Zeit nach dem „Abschied nehmen“ stellt sich für alle wieder der Alltag ein, doch für den trauernden Menschen hat sich alles verändert. Jemand ist nicht mehr da. Es braucht Zeit, um das zu begreifen. Angehörige möchten helfen, den Trauernden von den schmerzlichen Gefühlen abzulenken. Es ist für Trauernde in ihrer besonderen emotionalen Situation nicht immer möglich, darauf einzugehen. Die Trauerbegleitung schafft einen Rahmen, der Zeit und Raum bietet zu verstehen und zu begreifen.

Gibt es ein „Patentrezept“, auf welche Weise Trauer am besten zu bewältigen ist? 
Nein, es gibt kein festes Schema. Jeder Mensch trauert auf seine Weise, braucht etwas anderes, um sich auf die Gefühle der Trauer einzulassen. Ich versuche gemeinsam mit dem Trauernden herauszufinden, was ihn gerade besonders belastet und wie es sich verändern lässt.

Manche Menschen versuchen, den Verlust auch einfach zu verdrängen. Kann das auch ein Weg der Bewältigung sein?Es sollte nicht darum gehen, den Verstorbenen zu vergessen, zu verdrängen, sondern nun eine neue innere Beziehung herzustellen und damit auch die Gefühle zum Verstorbenen zuzulassen. Das braucht Zeit.
 
Was hilft beim Prozess der Trauerbewältigung? 
Rituale können Halt geben. In dieser Umbruchszeit, die von Erschütterung und Verzweiflung geprägt ist, helfen täglich wiederkehrende Handlungen, wie das morgendliche Anzünden einer Kerze für den Verstorbenen, ein täglicher Spaziergang bei jedem Wetter, sich selbst verordnete regelmäßige Mahlzeiten, was vielen schwer fällt. Ein kreativer Weg kann auch das Malen sein, um den eigenen Gefühlen Ausdruck zu geben, zur inneren Ruhe zu finden.

Sind es eher Frauen, die bei Ihnen Unterstützung suchen?
Zwei Drittel der Ratsuchenden sind tatsächlich Frauen. Die breite Palette spiegelt sich eher in den Altersgruppen wider. Hier sind alle vertreten.

Und wem Einzelberatung nicht zusagt?
Der findet mittlerweile viele Alternativen. Es gibt Trauer-Cafés, Trauerspaziergänge, angeleitete und geleitete Trauergruppen, sogar Reisen für Trauernde. Auch ein Buch kann sich als Stütze erweisen, es gibt eine große Auswahl an geeigneter Lektüre zu bestimmten Verlustsituationen.

Vielen Dank für das Gespräch.
Interview Katrin Starke

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Meldungen kurz & knapp

Soziales | Senioren | Kirche

Öffentliche Sitzung der Seniorenvertretung

Wittenau – Die nächste öffentliche Sitzung der Seniorenvertretung findet am 19. Oktober um 9 Uhr im Zimmer 27 im Rathaus Reinickendorf, Eichborndamm 215, statt. Zudem bietet die Seniorenvertretung jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr ihre Sprechstunde an.

Vorlesen für Familien

Tegel – In der Humboldt-Bibliothek ist die Veranstaltungsreihe „Bilderbuchkino plus App“ in die neue Saison gestartet. Nun werden jeden Freitag um 16 Uhr in der Karolinenstraße 19 Geschichten für Kinder ab drei Jahren vorgelesen, die Illustrationen des Buches an einer großen Leinwand gezeigt und im Anschluss Bilderbuch-Apps zum Ausprobieren vorgestellt.

„Arbeitnehmer/in 4.0“

Bezirk – Ab 4. Dezember startet der Kurs „Arbeitnehmer/in 4.0“, bei dem ältere Arbeitssuchende und Nichterwerbstätige die Grundlagen für das Arbeiten im Büro erlangen können. Teilnehmer müssen in Berlin wohnen, arbeitssuchend oder nichterwerbstätig sein und dürfen in keinem Ausbildungsverhältnis stehen. Zugleich sucht die veedu GmbH, die den Kurs anbietet, interessierte Unternehmen, die Praktikumsplätze für die Projektteilnehmenden zur Verfügung stellen. Anmeldung bei Lisa Paetz unter Tel. (030) 7895 46014 oder an lisa.paetz@veedu.de. Weitere Infos unter www.didital-im-beruf.de oder auf der Webseite https://veedu.de.

Angebote für pflegende Angehörige

Märkisches Viertel – Die Pflegebedürftigkeit eines Menschen stellt auch seine Angehörigen vor große Herausforderungen. Häufig sind sie Belastungen ausgesetzt und fühlen sich mit der Situation allein gelassen. Unterstützung und Entlastung stellt die Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf am 13. Oktober von 10 bis 11.30 Uhr im Café Senftenberger am Senftenberger Ring 12 vor. In der Veranstaltung werden der Besuchsdienst, Gesprächs- und Freizeitgruppen und nachbarschaftliche Initiativen vorgestellt. Es gibt Raum für Austausch und Fragen. Das Café Senftenberger ist ein Kommunikations- und Treffpunkt im MV. Das Netzwerk Märkisches Viertel lädt dort jeden 2. und 4. Freitag im Monat zum Kaffeeplausch ein.

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