Eine Frau mit Bodenhaftung

Bettina König in ihrem neuen Bürgerbüro in Reinickendorf-Ost Bettina König in ihrem neuen Bürgerbüro in Reinickendorf-Ost Foto: SPD Reinickendorf

Reinickendorf – Seit dem 27. Oktober 2016 sitzt Bettina König für den Reinickendorfer Wahlkreis 1 in der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Mittdreißigerin ist in Reinickendorf aufgewachsen und seit 2007 in der SPD. Die vergleichsweise recht junge Volksvertreterin steht mit beiden Beinen im Leben: berufstätig, Mutter zweier Kinder und mit neuem Bürgerbüro und regelmäßigen Infoständen immer ein Ohr am Bürger. Und dann kommt natürlich noch ihre Abgeordnetenarbeit dazu – Vorsitzende des Arbeitskreises Arbeit, Integration Soziales in der SPD-Fraktion und Mitglied in drei Ausschüssen. Dass ihr Tag komplett durchgetaktet ist und Bürgernähe auch manchmal sehr herausfordernd sein kann, nimmt sie als gegeben hin. Die RAZ traf eine angenehm unaufgeregte Bettina König.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Bettina König: Ich habe mich schon vor meinem Beitritt in die SPD für Themen engagiert, die mir wichtig sind. Etwa, dass ich mit anderen Mitstreitern einen Verein gegen prekäre Beschäftigung gegründet habe. Als ich mich nach meinen Studium ziemlich lange von einem schlecht oder gar nicht bezahlten Praktikum zum anderen gehangelt habe – die aber fast immer einen vollwertigen Arbeitsplatz ersetzten – dachte ich mir, dass da irgendwas nicht stimmt. Mit dem Verein konnte man Missstände, mit denen die Generation Praktikum zu kämpfen hatte, viel besser angehen, als wenn ich nur im privaten Umfeld meinen Unmut darüber ausgelassen hätte. Aber selbst ein Verein kann nicht so viel bewirken wie das Engagement in einer Partei.

Warum ist es die SPD geworden?
Ich komme aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus, obwohl mein Vater erst nach mir in die SPD eingetreten ist. Aber es sind vor allem die Themen und Positionen der SPD, die mich ansprechen und wegen derer ich 2007 in diese Partei eingetreten bin. Obwohl ich nicht alles unkritisch sehe, zum Beispiel bin ich keine vorbehaltslose Verfechterin der Agenda 2010, aber das ist ja auch in Ordnung. Es ist ja auch Teil der Demokratie, über unterschiedliche Positionen zu diskutieren.

Apropos Agenda 2010, Sie haben kürzlich eine Anfrage zum Thema „Befristete Arbeitsplätze in Jobcentern“ im Abgeordnetenhaus gestellt. Warum interessiert Sie dieses Thema?
Arbeitsmarktpolitik, Integration und Gleichstellung sind die Themen, für die ich auch in die entsprechenden Ausschüsse gegangen bin. Zum einen, weil sie mich interessieren und zum anderen, weil sie für meinen Wahlkreis Reinickendorf-Ost eine große Rolle spielen. Da ich selbst berufstätig bin – ich arbeite neben meiner Abgeordnetentätigkeit noch beim DRK – weiß ich, wie wichtig sichere und angemessen bezahlte Jobs sind. Arbeit muss auskömmlich sein. Auch im Jobcenter. Es ist doch echt verrückt, dass gerade die, die andere in eine langfristige und gute Beschäftigung bringen sollen, selbst von befristeten Arbeitsverhältnissen betroffen sind. Und sie werden oft sachgrundlos befristet, was ich am schlimmsten finde.

Ende März haben Sie Ihr Bürgerbüro in der Amendestraße eröffnet. Wie wird es angenommen? Mit welchen Fragen kommen die Bürger zu Ihnen?
Ich freue mich, dass wir sehr gut angenommen werden. Deshalb haben wir das Büro so offen und einladend wie möglich gestaltet. Manchmal lade ich aber auch Bürger, die ich am Infostand treffe, direkt ins Bürgerbüro ein. Die Fragen und Probleme, die an mich herangetragen werden, betreffen vor allem die Situation rund um den Franz-Neumann-Platz – es geht um fehlende Sicherheit, Sauberkeit und die Verkehrslage. Aber auch Wohnungsprobleme oder ganz private Probleme werden angesprochen. In Reinickendorf-Ost nehmen auch Mietersorgen einen großen Raum ein. Deshalb bieten wir im Bürgerbüro auch regelmäßig Mietersprechstunden an. Viele Bürger haben Angst vor einer Verdrängung durch steigende Mieten, vor allem, wenn der Flughafen geschlossen wird.

Wie stehen Sie denn zur Flughafenschließung?
Der Flughafen muss schließen, schon wegen des Lärmschutzes und des Sicherheitsrisikos eines mitten in der Stadt liegenden Flughafens. Auch für die Aufwertung des Kiezes durch weniger Lärm wäre ein Gewinn. Und wir brauchen den Platz von TXL, um Wohnungen zu schaffen und damit das Mietniveau zu drücken. Gleichzeitig nehme ich die Sorge der alteingesessenen Anwohner, dadurch verdrängt zu werden, sehr ernst. Es ist auch unsere Aufgabe, dies mit politischen Mitteln weitestgehend zu verhindern.

Sie sind ja Mutter zweier kleiner Kinder und waren eine Zeit lang alleinerziehend – wie bekommen Sie Ihre privaten und beruflichen Verpflichtungen unter einen Hut?
Mit viel Organisationskraft. Ich bin ja nicht die einzige Frau, die Kinder hat und berufstätig ist. Meine Familie hilft mir ganz viel, Termine nachmittags und abends wahrnehmen zu können. Die Ausschuss-Sitzungen sind in der Regel am Vormittag, da sind meine Kinder natürlich im Kindergarten beziehungsweise in der Schule. Zu einigen Terminen wie Kiezfesten nehme ich sie auch manchmal mit, aber dann muss ich immer mit einem Auge schauen, was die beiden so treiben. Für meine Kinder ist ja nicht nachvollziehbar, dass Gespräche auf Veranstaltungen auch Arbeit sind.

Welche Themen sind aktuell noch für Sie wichtig?
Im Moment setze ich mich für die Mitarbeiter der Töchterunternehmen von Vivantes und Charité ein, die zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten als die Angestellten der Mutterunternehmen. Hier muss was passieren. Wichtig ist mir außerdem, dass möglichst schnell mehr Kitaplätze geschaffen werden. Und wir planen gerade ein schönes Event für den Kiez: Wir werden uns mit dem Bürgerbüro an der Fête de la Musique am 21. Juni beteiligen. Für mich ist auch wichtig zu zeigen, dass das Bürgerbüro für die verschiedensten Themen und Aktionen Anlaufstelle ist und wir für jeden ein offenes Ohr haben.

Vielen Dank für das Gespräch.
Interview Anke Templiner

Letzte Änderung am Freitag, 26 Mai 2017 10:20

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