Die verlassenen Villen

Die Villa in der Dianastraße 44-46 wurde 1908 erbaut. Die Villa in der Dianastraße 44-46 wurde 1908 erbaut. Foto: Drust

Waidmannslust – Vom Glanz der früheren Jahre war nicht mehr viel übrig geblieben. Seit Jahren stehen die einst prächtigen Villen und herrschaftlichen Gebäude in der Dianastraße leer. Damit wollten sich einige Waidmannsluster nicht abfinden und gründeten 2013 die „Initiative Waidmannslust“, die die beiden Villen und auch andere leerstehende Objekte rund um Dianastraße und Waidmannsluster Damm wieder zum Leben erwecken wollen. Christine Paulisch, Wolfgang Nieschalk und Günter Poggel, die Gründer der Initiative, kämpfen seitdem aktiv gegen Leerstand und Verfall in ihrem Ortsteil. Alle sind seit vielen Jahren in Waidmannslust zu Hause und möchten, dass es hier auch weiterhin schön ist. Dafür tun sie einiges, sie kontaktieren regelmäßig das Bezirksamt, haken bei Eigentümern und Grundstücksinteressenten nach, organisieren Bürgerversammlungen und engagieren sich gemeinsam mit Helga Nieschalk und Bernd Gemeinhardt im Förderverein für die Sanierung der Königin-Luise-Kirche (die RAZ berichtete). Mit der sanierten Kirche ist man schon einen Schritt weiter, Waidmannslust wieder zu einem schönem Ortsteil zu gestalten.

Aber einige Sorgenkinder bleiben noch. Zum einen die Verkehrssituation am Waidmannsluster Damm und eben die Villen in der Dianastraße, die vor allem als Residenz der französischen Alliierten bekannt sind. 

Das von der Dianastraße aus gesehen linke Gebäude (44-46) wurde 1908 erbaut und diente ab August 1945 bis September 1950 zunächst als Residenz des französischen Stadtkommandanten, danach wurde es 1952 als Dienstsitz des französischen Konsulats genutzt. Bis 1994 diente es als Residenz/Gästehaus des stellvertretenden Kommandanten (Gesandten) der französischen Militärregierung in Berlin.
Die andere Villa in der Dianastraße 41-43 wurde 1903/04 erbaut. 1948 übernahmen die französischen Alliierten das Mehrfamilienhaus. Im Zuge der Beendigung des Viermächtestatus Berlins verkaufte Frankreich im Frühjahr 2001 das Anwesen.

Seitdem dümpeln die beiden Anwesen vor sich hin, ohne dass irgendeine Nutzung erkennbar oder zu erahnen ist. „Interessenten und Pläne gab es schon viele“, wie Wolfgang Nieschalk erzählt. Aber passiert sei bisher nichts. Immer wieder versucht die Initiative mit den Eigentümern in Kontakt zu treten. Was nicht immer leicht ist. Aber das schreckte die Mitglieder nicht ab, weiter zu forschen.

Als aktuellen Eigentümer der beiden Villen samt Grundstück konnten sie den Arzt Dr. Alexander Siebel ausmachen. Leider ist bisher kein persönliches Gespräch mit ihm zustande gekommen, sodass dessen Nutzungspläne ebenso unbekannt sind.

Die RAZ-Redaktion hatte mehr Glück und konnte kurz mit Alexander Siebel sprechen. Geplant ist laut dem Eigentümer in einer der Villen eine Art Bildungscampus, auf dem eine Kita und eine bilinguale Schule untergebracht werden sollen. Allerdings fehle es noch an den behördlichen Genehmigungen. Für die andere Villa sei eine Seniorenresidenz angedacht. „So richtig fest ist das natürlich alles noch nicht“, wie Alexander Siebel gleich die frohe Botschaft abschwächt. Man hoffe, dass Mitte des Jahres Genaueres zu vermelden ist. Beide Nutzungen wären als Vermietung, nicht als Verkauf gedacht. Wohnraum würde damit auf den beiden Grundstücken nicht entstehen. Die Pläne, eine Seniorenresidenz zu errichten, sind schon etwas älter. Bereits 2011 soll ein Architektenbüro Pläne zum Umbau zur Seniorenresidenz erarbeitet haben.

Wolfgang Nieschalk, der das Geschehen intensiv verfolgt, begrüßt eine derartige Nutzung. Interesse, wie es mit den ehemaligen Alliierten-Residenzen weitergeht, zeigte auch der Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen. Er setzt sich nicht nur für die Sicherung von „historischen Schätzen“ ein, sondern möchte prüfen lassen, ob die beiden Objekte auch dauerhaft für kulturelle Zwecke genutzt werden können. Man darf also gespannt sein, was sich in der Dianastraße in nächster Zeit so alles tut. at

Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Februar 2017 15:52

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