Männer in ihren fliegenden Kisten

Der Schwingenflieger von Bruno Scholz lockte viele Schaulustige aufs Flugfeld. Der Schwingenflieger von Bruno Scholz lockte viele Schaulustige aufs Flugfeld. Foto: Sammlung Postmaxe-Polzin

Der Ortsteil Schulzendorf, ganz im Nordwesten von Reinickendorf gelegen, birgt viele Besonderheiten: So befand sich zwischen den heutigen Straßen Im Erpelgrund und An der Wildbahn in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein kleiner Flugplatz. „Die Vorverhandlungen für die Anlage eines neuen Flugplatzes bei Heiligensee sind jetzt soweit gediehen, dass die Anlage gesichert scheint“, hieß es 1910 in einem Artikel der Nummer 15 der „Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschifffahrt“.

Auf diese Weise wurde die Planung des Flugplatzes Schulzendorf am 13. August 1910 der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Im Zuge der historischen Ereignisse wurde am 7. September 1910 der „Berliner-Flugsport-Verein“ gegründet. Ehrenvorsitzender war Gustav Lilienthal. Gustav war der jüngere Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal.

Von Weitem gut sichtbar
Die Einweihung des Flugfeldes erfolgte am 19. Juli 1911 durch den Flieger Paul Schwandt. Er flog einen von Hans Grade entwickelten Flieger, dessen Flugschule er auch besucht und dort im Mai 1911 die Deutsche Flugzeugführerlizenz erworben hatte.  Das Flugfeld, zwischen dem heutigen Erpelgrund und der Wildbahn gelegen, verfügte über eine rund 350 Meter breite sowie 450 Meter lange Startbahn. Aus der Luft betrachtet lag es in einem Dreieck zwischen der Eisenbahnlinie Berlin-Velten im Nordosten, dem Königlichen Forst Tegel im Süden und dem Heiligensee sowie der Havel im Nordwesten. Den Piloten wurde das Auffinden des Flugplatzes erleichtert, denn stets war eine gelbe Flagge von weit her zu sehen. Zudem war ein 50 Meter großes, weißes Kreuz als Zentrum des Flugfelds eingelegt. Für die Flugpioniere der damaligen Zeit ebenfalls wichtig: Sie konnten sich über einen weichen, mit einer kurzen Rasendecke versehenen Sandboden freuen, der recht wenig Unebenheiten aufwies.

Der Wettflug „Rund um Berlin“
Eine der Attraktionen der Luftfahrtgeschichte in Heiligensee war der Wettflug „Rund um Berlin“. Am 31. August 1912 wurde das Flugfeld als Wendemarke in die Veranstaltung einbezogen. 16 Flieger hatten ihre Teilnahme gemeldet, elf gingen nur an den Start. Den Wettbewerb gewann Ernst Krüger in einem Harlan-Eindecker. Das Preisgeld betrug 16.836 Mark. Dann interessierte sich das Militär für das Flugfeld, was nach Ende des Ersten Weltkriegs wegen der im Versailler Vertrag auferlegten Demilitarisierung zum Ende des Flugbetriebs führte.
Im Jahr 1919 wurde der Flugplatz aufgegeben und zu einem Siedlungsgebiet umgewandelt.

Das ehemalige Wärterhäuschen
Ein Gebäude hat die Flugplatzschließung allerdings überdauert: Das ehemalige Wärterhäuschen ist heute Bau- und Gartendenkmal zugleich. Ein Flugplatzwärter hat dort wohl nie gewohnt. Es war zunächst nur als Laube konzipiert worden und diente einem Holzhändler als Werbeträger. Peu à peu ergänzten Vorbesitzer die einstige Laube mit weiteren Anbauten, bis jenes kleines Häuschen entstand, das die Künstlerin Hanna Höch als alleinige Eigentümerin kurz nach Kriegsausbruch 1939 erwarb und bis zu ihrem Tod 1978 bewohnte. ajö

Quelle: Flugfeld Schulzendorf von Frank-Max Polzin, zu finden unter www.postmaxe.de/geschichten/flugfeld-schulzendorf.degeschichten/flugfeld-schulzendorf.de

Letzte Änderung am Freitag, 09 Februar 2018 14:22

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