Sind Berliner Kinder dümmer?

Andrea Schwarz und Uwe Borkenhagen Andrea Schwarz und Uwe Borkenhagen Foto: mvo

Borsigwalde – „Sind Berliner Kinder dümmer als andere?“ So lautete die Frage am 19. Februar im Pfarrhaus der Katholischen Kirche Allerheiligen in der Räuschstraße. Die Frage erscheint provokativ, hat aber einen sehr realen Hintergrund. In fast allen Vergleichsstatistiken belegt die Bildungsstadt Berlin die hintersten Plätze. Nun hatte der CDU-Ortsverband Borsigwalde Hildegard Bentele, die Bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, eingeladen, um sich einmal intensiv diesem Thema zu nähern.
„Das kann uns ja nicht zufriedenstellen, dass wir immer hinten dran sind“, sagte der Ortsvorsitzende und Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen. „Jetzt machen drei andere Parteien die Bildungspolitik, teilweise gegen unsere Überzeugung.“ Viele Aspekte wurden angesprochen, der Abend geriet auch zur parteipolitischen Abrechnung mit dem aktuellen rot-rot-grünen und dem davor verantwortlichen rot-roten Senat.

Natürlich seien die Berliner Kinder nicht dümmer, aber die Rahmenbedingungen für Schüler in Berlin seien eben nicht die besten. Das beginnt mit dem katastrophalen Zustand vieler Gebäude. Und dass es seit 2012 wieder steigende Schülerzahlen gibt, sei zu spät erkannt worden, meinte Bentele. „Dramatisch verschlafen“ habe der Senat auch die Entwicklung beim Bedarf an Lehrkräften. „Wir müssten im Jahr 2.000 Lehrer einstellen, allein 900 an Grundschulen, aber davon sind wir weit entfernt“, sagte die Bildungspolitikerin. Die verstärkte Einstellung von Quereinsteigern ohne Lehrerausbildung könne nicht die Lösung sein. Dass viele Quereinsteiger zudem mit unbefristeten Verträgen ausgestattet werden, hält die 41-Jährige ebenfalls für falsch, die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) hatte davor vor einigen Monaten gewarnt. Die CDU fordert schon länger zudem ein Stipendienprogramm für Lehramtsstudenten in Mangelfächern wie Mathematik, Physik oder Chemie. „Leider gehen viele in diesen Fachbereichen in die freie Wirtschaft, weil es da mehr Geld gibt“, sagte die Bildungsexpertin.

Und Lehrer sollen Lehrer sein, sich um die Inhalte im Unterricht kümmern. „Für die Pausenaufsicht sollte man andere einstellen, damit sich die Lehrer auf das Wesentliche konzentrieren können.“ Das gleiche gelte für Schulleiter, die sich um Unterrichtsqualität und Lehrerführung anstatt um verwaltungstechnische Dinge kümmern sollten. „Eigentlich bräuchte jede Schule einen Geschäftsführer.“ In anderen Ländern wie in England oder Finnland hätten Lehrkräfte zudem ein ganz anderes Standing, betonte eine ehemalige Lehrerin am Abend im Pfarrhaus, die als junge Lehrerin aus Bayern nach Berlin kam, auch weil der Job hier damals besser bezahlt war. „Und heute sind bei uns durch die großen Belastungen Lehrer mit 60 fix und fertig.“
„Das englische Modell, wo jungen Leuten an Privatschulen von ihren reichen Eltern der Weg nach Oxford gepflastert wird, darf aber nicht unseres sein“, outete sich Nikita Swiridow, Beisitzer in der CDU Borsigwalde, als „Feind elitärer Privat- und kirchlicher Stiftungsschulen“. „Schulen müssen in Staatshand bleiben. Ich bin dennoch dafür, dass man besonders Begabte ebenso fördern sollte wie nicht so intelligente Schüler.“

Dass Schüler hinterher hängen, kann auch ganz einfache Ursachen haben. „Vor 30 Jahren kamen die Kinder nach Hause, da stellte die Mutter das Mittagessen auf den Tisch“, sagte Zeelen. „Heute sitzt sie um die Mittagszeit vielleicht an einer Kasse im Supermarkt, ihr Kind ist auf sich gestellt.“ Bernd Karkossa

Letzte Änderung am Mittwoch, 07 März 2018 12:11

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Meldungen kurz & knapp

Soziales | Senioren | Kirche

Familiencafé

Wittenau – Eltern, Kinder und Großeltern sind eingeladen, sich am Donnerstag, 15. Februar, von 15.30 bis 17.30 Uhr bei einer Tasse Tee oder Kaffee im Familiencafé zu treffen um beisammen zu sitzen und sich auszutauschen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, wird aber gern im Büro der Evangelischen Familienbildung Reinickendorf entgegengenommen. Das Familiencafé ist kostenfrei, um eine kleine Spende für Kaffee und Kuchen wird gebeten. Ort: Familienbildungsstätte Pastor-Weise-Haus, Spießweg 7.

Improvisationen

Hermsdorf – Innerhalb derKonzertreihe „Music for a while“ wird am Samstag, 10. Februar, 17 Uhr, zum Konzert „Improvisationen über populäre Melodien“ in die Apostel-Paulus-Kirche Hermsdorf, Wachsmuthstraße 25, eingeladen. Maria Scharwieß spielt an der restaurierten Sauer-Orgel. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.

Schulfähre Scharfenberg

Tegel – Seit 3. Januar hat die Fähre nach Scharfenberg wieder einen Fährmann. Das teilte Schulsenatorin Sandra Scheeres mit. Ungeklärt sei allerdings, wer ihn vertritt, wenn er krank oder verhindert ist. Ein Fährgehilfe wird erst am Jahresende anfangen, und die Einstellung eines zweiten Fährmanns ist nicht geplant.

Kurse für starke Familien

Konradshöhe – Am 21. Februar startet im Kinder-und Jugendhilfezentrum Haus Conradshöhe, Eichelhäherstrasse 19, der Elternkurs „Starke Eltern – starke Kinder“. Der Kurs möchte Eltern Anregungen zur Erziehung geben und gleichzeitig die Gelegenheit, mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Themen dabei werden unter anderem Kommunikation in der Familie, Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse der Familie und Umgang mit Grenzen und Regeln sein. Unter Leitung einer Sozialpädagogin und einer Psychologin der Ambulanten Erziehungshilfe werden die Eltern Anregungen zur Erziehung erhalten und in den Austausch mit anderen Eltern treten können. Kursbeginn ist am 21. Februar, danach findet er jeden Mittwoch von 10 bis 13 Uhr statt. Anmeldeschluss ist der 9. Februar. Für die insgesamt neun Termine wird ein Teilnahmebeitrag in Höhe von 10 Euro erhoben. Nähere Informationen erhalten Sie telefonisch unter 0157/8860914 oder per E- Mail brigitte.hoerber@haus-conradshoehe.de