Wann ist ein Wald ein Wald?

Zaun an der Sackgasse Spandauer Straße/Magdeburger Straße Zaun an der Sackgasse Spandauer Straße/Magdeburger Straße Foto: abs

Frohnau – Eigentlich ist es gesetzlich geregelt: Ein Wald in öffentlichem oder privatem Eigentum muss für jedermann öffentlich zugänglich sein. Nicht so in Glienicke/Nordbahn, wie auf der Gemeindeversammlung am Faschingsdienstag zu hören war.

Es ging um einen Waldweg, der seit Monaten die Gemüter in Glienicke und Frohnau erregt. Der Wald ist in Glienicke (Spandauer Straße) und Frohnau (Rosenplüterweg) durch flaschenhalsartige Zugänge erreichbar. Zu DDR-Zeiten getrennt, freuten sich die Anwohner über die Grenzöffnung und den freien Durchgang. Damit ist jetzt Schluss: Der Besitzer eines Waldstückes auf dem ehemaligen Grenzgebiet, zu dem der Weg gehört, versperrte diesen 2017 mit einem Gitter: Kein Durchgang mehr! Die unmittelbaren Anwohner sind verärgert und organisierten Protest. Die Glienickerin Dr. Karin Wiesner berichtet: „Wir haben dem Bürgermeister von Glienicke 350 Unterschriften übergeben, weil die Gemeinde nichts gegen die private Sperrung des Weges unternimmt. Seit der Maueröffnung nutzen wir Glienicker den Zugang zur Bieselheide, die Abkürzung zu Frohnauer Verkehrsmitteln und die Frohnauer den Wald-Rundweg.“

Uwe Morgenroth vom Bürgerverein Frohnau engagiert sich ebenfalls, weil der Grundstücksbesitzer seiner Meinung nach gegen das Gesetz handelt. „Das Grundgesetz sowie die Wald- und Naturschutzgesetze verpflichten private Waldbesitzer, den Wald offen zu halten. Neuendorfs Oberförster Frank-Peter Hintze allerdings hat dem Eigentümer die ,Nichtwaldeigenschaft‘ seines Grundstücks bescheinigt.“ Damit fühlt sich dieser im Recht, den Weg über sein Grundstück abzusperren. „Ich habe unseren Bürgermeister zum Widerspruch gegen die neue veränderte ,Waldbezeichnung‘ aufgefordert“, so Uwe Morgenroth weiter.

Alexander Goebel, dessen bewaldetes Grundstück an das in der Diskussion stehende Waldstück grenzt, ist verärgert, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. „Zur Aufnahme meines Grundstückes in den Bebauungsplan und zur Erlangung der Baugenehmigung waren eine Genehmigung nach dem Landeswaldgesetz erforderlich. Außerdem erhielt ich weitere Auflagen und musste eine nicht unerhebliche Walderhaltungsabgabe zahlen.“ Er vermutet, dass sich sein Nachbar diesen Aufwand sparen und auf anderem Wege an eine Baugenehmigung kommen will.

Weil die Gemeinde von ihrem Vorkaufsrecht für den Weg keinen Gebrauch gemacht hatte, bot der Eigentümer diesen der Gemeinde zum Kauf an. „Der Vertragsentwurf sah vor, dass die Gemeinde dem Eigentümer zusätzlich für die in seinem Besitz befindlichen weiteren Waldstücke Bebaubarkeit gewährt. Damit waren 75 Prozent der anwesenden Gemeinderatsmitglieder allerdings nicht einverstanden“, erklärt Goebel.

Die Gemeindeverwaltung Glienicke wird nun Maßnahmen ergreifen, um den Weg wieder zu öffnen. Fachbereichsleiter Peter Staamann erklärte in einer Sitzung am 13. Februar, dass die Gemeinde nun juristische Beratung in Anspruch nimmt, die alle Konsequenzen prüft ­ –unter anderem auch die Enteignung. abs

Letzte Änderung am Montag, 05 März 2018 11:09

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Meldungen kurz & knapp

Politik | Wirtschaft | Recht

Infos zur Hennigsdorfer

Heiligensee – Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt möchte mit den Anwohnern über die Straßenbaumaßnahme Hennigsdorfer Straße am Montag, 19. Februar, 17 Uhr, im BVV-Saal, Eichborndamm 215, ins Gespräch kommen. Voraussichtlicher Baubeginn: Frühjahr 2018.

Gegen Verkehrschaos

Bezirk – Die A111 soll 2021 grundsaniert werden. Die U6 in dem selben Jahr. Ebenso die S25. Drei wichtige Verkehrs­träger werden somit 2021 gleichzeitig lahmgelegt. Dagegen hat die CDU-Fraktion ein Paket mit Anträgen in die BVV eingebracht, das alternative Verkehrsrouten durch und um Reinickendorf benennt.

Pro und Contra

Reinickendorf – Der soziale Flügel der CDU, die Christliche Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), diskutiert im Rahmen ihres Stammtisches über die Vor- und Nachteile der Bürgerversicherung und deren Folgen. Die CDA vertritt die Arbeitnehmer zu sozialen und gesundheitspolitischen Themen innerhalb und außerhalb der CDU. Am Freitag, 26. Januar, können Interessierte an der CDA-Gesprächsrunde zur Bürgerversicherung teilnehmen. Der CDA-Stammtisch findet in dem Altberliner Restaurant „Latichte“, Alt-Reinickendorf 29A, um 18 Uhr statt. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Aktiv gegen rechts

Bezirk Bildungsprojekte und Initiativen in Reinickendorf können im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ Anträge auf Förderung stellen. Gefördert werden Projekte und Workshops, die der positiven Entwicklung der Willkommenskultur dienen. Weitere Infos erteilt die Albatros gGmbH, Auguste-Viktoria-Allee 17, R.Palm@albatrosggmbh.de

VMehr berlinpass-Anspruchsberechtigte

Bezirk – Bezirk – Seit Februar können auch Empfänger von Wohngeld sowie Bürger, die eine DDR-Opferrente erhalten, den berlinpass beantragen. Neben dem Sozialticket können sie zahlreiche Vergünstigungen nutzen. Die Ausgabestelle für den Berlinpass befindet sich im Bürgeramt, Teichstraße 65, Haus 1.

SPD-Klausurtagung

Bezirk – Bezirk – Die SPD-Fraktion in der BVV-Reinickendorf hat ein Arbeitsprogramm für 2018 erarbeitet. Themenkomplexe sind u.a. Verkehrspolitik, Jugendpolitik, Stadtentwicklung (vor allem in Reinickendorf-Ost und im MV) und die Sozialstruktur für die Siedlungen in den Rollbergen, im Märkischen Viertel und in Tegel-Süd.