Kunst aus zwei Welten

Erol Uysal vor einem seiner Werke Erol Uysal vor einem seiner Werke Foto: mfk

Frohnau – Erol Uysal ist an diesem Samstag, ein paar Stunden vor der Vernissage, noch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Vor den weit geöffneten Flügelfenstern trocknen ein halbes Dutzend weiß bemalte Sockel, auf die er seine Skulpuren stellen wird. „Ich weiß schon genau, wo jede einzelne hinkommt“, erzählt er. „Dann muss ich noch die Bilder beschriften und die Liste schreiben“, fährt er fort. Der 1963 in Istanbul geborene Künstler hat an der Marmara Universität seiner Geburtsstadt Keramik und Bildhauerei studiert.

Im Alter von 27 Jahren kam er nach Berlin an die heutige Universität der Künste und setzte seine Studien in Bildhauerei bei Professor Lothar Fischer fort. Im Anschluss wurde er auch dessen Meisterschüler. „Ich hatte schon in Istanbul von Lothar Fischer gehört, der als Bildhauer 1957 zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe SPUR gehörte“, erinnert sich Erol Uysal. Die Gruppe SPUR zählt zu einer der bedeutendsten deutschen Künstlergemeinschaften nach 1945. Heute lebt und arbeitet Uysal schon sein halbes Leben als freischaffender Künstler in Berlin. Regelmäßig stellt er im In- und Ausland aus. In seinen Bildern und Skulpturen ist beides zu finden: Elemente der europäischen und einer fremden, eher orientalischen Welt. Seine gegenwärtige Ausstellung in Frohnau heißt „Eutopische Träume“. Eutopie bezeichnet philosophisch die Vorstellung einer idealen Gesellschaft. „Den Titel kann man auf zwei Arten lesen, als eutopische Träume oder Räume“, sinniert Uysal, „es steckt auch viel Ironie in meiner Kunst und die Sehnsucht nach Ästhetik“. Diese ist seiner Meinung nach in der heutigen Zeit oft verloren gegangen. „Aber jeder soll seine eigene Interpretation finden“, resümiert er. Wer die Ausstellung besucht, wandelt durch die wunderbaren Räume der alten Villa. Sowohl im Erdgeschoß als auch im Obergeschoss und im offenen Treppenhaus hängen Erol Uysals Bilder aus der neusten Schaffensperiode. Sie zeigen abstrakte Motive, meist mit Acrylfarbe gemalt, in denen die Betrachter immer auch etwas Figürliches entdecken können. Beinahe allen ist eigen, dass sie ganzflächig von einem zarten Gittermuster überzogen sind, das die Bilder verpixelt erscheinen lässt. Im Salon zum Garten sind zwei Collagen aus einer etwas früheren Zeit zu entdecken. Als Kontrast stellt der gelernte Bildhauer auch abstrakte Skulpturen aus weißlich gestrichener Keramik aus.

Die Ausstellung im Centre Bagatelle in der Zeltinger Straße 6 ist bis zum 15. April 2018 zu besichtigen. Achtung: nur Dienstag und Freitag von 16.30 bis 18 Uhr und nicht in den Schulferien. Am 7. März um 19.30 Uhr findet ein Künstlergespräch statt. www.kunstvereincentrebagatelle.de mfk

Letzte Änderung am Montag, 05 März 2018 11:24

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Debüt „Außer sich“

Tegel – Zu einer Lesung mit Sasha Marianna Salzmann lädt die Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 am Mittwoch, 14. Februar, um 19.30 Uhr ein. Die Autorin präsentiert ihr Romandebüt „Außer sich“, das zu den sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2017 gehörte. Es ist die Geschichte des Zwillingpaares Alissa und Anton, die in Moskau aufwachsen und mit den Eltern nach Westdeutschland gehen. Eines Tages verschwindet Anton und Alissa macht sich auf die Suche nach ihm. Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater zeigt eine sehr eigene Sprache und ein virtuoses Spiel mit Raum und Zeit in der Schilderung des Geschehens. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf im Rahmen von „Lesezeichen – Literatur live in Tegel“ statt. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Philosophisches Café

Märkisches Viertel –  Märkisches Viertel – Im Philosophischen Café findet am 19. Februar, 15 bis 17 Uhr die Veranstaltung „Falsche Wertrealsierung“ statt. Kosten: 3 Euro. Ort: Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum, Günter-Zemla-Haus, Eichhorster Weg 32.

Offenes Singen

Hermsdorf –  Am 16. Februar gibt es von 19.30 Uhr bis 21 Uhr ein „Offenes Singen“ im Gemeindesaal der Apostel-Paulus-KG in der Wachsmuthstraße 25. Eingeladen sind alle, die Freude am Singen haben. Gesungen werden Hits und Evergreens von damals bis heute Der Eintritt kostet 6 Euro.

Kino für den Knast

Tegel – Tegel – Im Rahmen der Reihe „Berlinale Goes Kiez“ wird am 23. Februar im Kultursaal der JVA für die Insassen der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume gezeigt. Der Filmstoff beruht auf wahren Begebenheiten. Im Anschluss steht Regisseur für ein Gespräch zur Verfügung. Festivalchef Dieter Kosslick: „Mit der Sonderveranstaltung wird die Reihe noch mehr ihrem Anliegen gerecht, Barrieren abzubauen sowie kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.