Klangteppich wie bei Zappa

Viel Applaus für die Performance in der Turnhalle. Viel Applaus für die Performance in der Turnhalle. Foto: bek

Märkisches Viertel – Nebel waberte durch die Turnhalle des Atriums, bunte Scheinwerfer tauchten das große Orchester in ein unwirkliches Licht. Und die mehr als 50 Schüler der Bettina-von-Arnim-Schule (BvA) und der Jugendkunstschule strickten dazu einen irren Klangteppich. Frank Zappa hätte seine wahre Freude an der Performance gehabt. „Ja, mit der Musik von Zappa bin ich aufgewachsen“, sagt Aaron Grahovac, Fachbereichsleiter Musik und Kunst an der BvA, der nun barfuß in Mönchskutte und mit zwei hölzernen Kruzifixen in der Hand die Aufführung Revue passieren lässt. „Wir haben ja auch noch die Tage des Zorns verarbeitet und verballhornt, das alles hat den Schülern einen Riesenspaß gemacht.“

Die vielen Zuschauer, meist Eltern, ließen ihre Handys kreisen wie bei jedem Rockkonzert. Sie waren von der gut halbstündigen mit den teils chaotischen Klangelementen tatsächlich an den einstigen britischen Experimental-Guru Zappa erinnernden Performance angetan und spendeten den Mitwirkenden reichlich Applaus. Die Aufführung war aber nur eine von vielen, die im Rahmen des More than Arts Festivals 2017 auf dem Gelände des Atrium am Senftenberger Ring geboten wurde. Am Freitag, 6. Juli, war die Premiere des unter dem Motto „X-Form – 95 Thesen heute“ stehenden Festivals, das am 7. und 8. Juli weitere Vorstellungen bot.

Inspiriert vom Lutherjahr 2017 fragte das diesjährige Festival nach den gesellschaftlichen Reformbedürfnissen im Märkischen Viertel: Was möchten Jugendliche umgestalten? Was verändert sich aktuell – und was nicht? Braucht das MV eine Reform-App? Rund 350 junge Schüler der BvA und der Jugendkunstschule präsentierten fächerübergreifende künstlerische Aktionen, Installationen, experimentelles Orchester, Theater und eine abwechslungsreiche Kunstgalerie. Mikroskopische Ansichten wurden in künstlerische Glasobjekte transformiert. Durch Klang und Performance verwandeln die Jugendlichen selbst ihr Umfeld und reformieren ihre Lebenswelt – das bedeutet „X-Form – 95 Thesen heute!

Ein buntes Treiben aus allen künstlerischen Bereichen wurde präsentiert. Schulleiter Ralf Heitmann, Arnim und Atrium-Leiterin Claudia Güttner eröffneten das bereits zum dritten Mal veranstaltete Festival. „More than Arts“ – also „Mehr als Kunst“, für die ebenfalls in ein mittelalterliches Gewand geschlüpfte Claudia Güttner bedeutet das: „Zum einen eine Projektionsfläche für alle Bereiche, zum anderen haben wir viel Wert nicht nur auf das Ergebnis, sondern auf die Protzesse auf dem Weg dahin gelegt.“ Heitmann sagte: „Die Schüler können das auch nur machen, wenn die Eltern dahinterstehen.“ Martin Hübner, Vorsitzender der Elternschaft, war angetan von der Zusammenarbeit von Siebtklässlern und Abiturienten und sagte: „Nach der genialen Stadtteiloper vor zwei Jahren und Lost in the Jungle im Vorjahr nun eine weitere Gesamtschau. Es macht uns großen Spaß, unsere Kinder in dieser Schule wiederzufinden.“

Raz Juli2017 2 Festival1 Sonja Hohn Annika NiemannX-Form: Sonja Hohn (li.), Kulturbeauftragte der Bettina-von-Arnim-Schule, und die Kulturagentin Annika Niemann. Foto: bek

Das Festival wird gefördert durch das Landesprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen Berlin“. „Wir betreuen 36 Programmschulen in Berlin“, sagte die Kulturagentin Annika Niemann. Zur Premiere wurde auch der Staatssekretär für Kultur, Dr. Torsten Wöhlert, erwartet, aber er musste kurzfristig absagen. Das bedauerte Sonja Hohn, die Kulturbeauftragte der BvA, die die anderen Besucher vorwarnte: Das Programm ist so umfangreich, dass Sie gar nicht alles anschauen können. Sie müssen also morgen wiederkommen.“ Den Vorschlag haben einige beherzigt. bek

Letzte Änderung am Montag, 31 Juli 2017 09:44

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Debüt „Außer sich“

Tegel – Zu einer Lesung mit Sasha Marianna Salzmann lädt die Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 am Mittwoch, 14. Februar, um 19.30 Uhr ein. Die Autorin präsentiert ihr Romandebüt „Außer sich“, das zu den sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2017 gehörte. Es ist die Geschichte des Zwillingpaares Alissa und Anton, die in Moskau aufwachsen und mit den Eltern nach Westdeutschland gehen. Eines Tages verschwindet Anton und Alissa macht sich auf die Suche nach ihm. Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater zeigt eine sehr eigene Sprache und ein virtuoses Spiel mit Raum und Zeit in der Schilderung des Geschehens. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf im Rahmen von „Lesezeichen – Literatur live in Tegel“ statt. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Philosophisches Café

Märkisches Viertel –  Märkisches Viertel – Im Philosophischen Café findet am 19. Februar, 15 bis 17 Uhr die Veranstaltung „Falsche Wertrealsierung“ statt. Kosten: 3 Euro. Ort: Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum, Günter-Zemla-Haus, Eichhorster Weg 32.

Offenes Singen

Hermsdorf –  Am 16. Februar gibt es von 19.30 Uhr bis 21 Uhr ein „Offenes Singen“ im Gemeindesaal der Apostel-Paulus-KG in der Wachsmuthstraße 25. Eingeladen sind alle, die Freude am Singen haben. Gesungen werden Hits und Evergreens von damals bis heute Der Eintritt kostet 6 Euro.

Kino für den Knast

Tegel – Tegel – Im Rahmen der Reihe „Berlinale Goes Kiez“ wird am 23. Februar im Kultursaal der JVA für die Insassen der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume gezeigt. Der Filmstoff beruht auf wahren Begebenheiten. Im Anschluss steht Regisseur für ein Gespräch zur Verfügung. Festivalchef Dieter Kosslick: „Mit der Sonderveranstaltung wird die Reihe noch mehr ihrem Anliegen gerecht, Barrieren abzubauen sowie kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.