Der ideale Ort zum Vergessenwerden

Das Hannah-Höch-Haus an der Wildbahn 33 in Heiligensee steht unter Denkmalschutz. Das Hannah-Höch-Haus an der Wildbahn 33 in Heiligensee steht unter Denkmalschutz. Foto: Peter E. Rytz

Das ehemalige Bahnwärterhäuschen An der Wildbahn 33 in Berlin-Heiligensee, in dessen Atelier jetzt der Bildende Künstler Johannes Bauersachs lebt und arbeitet, und der von der Künstlerin Hannah Höch geschaffene Bauerngarten bilden ein begehbares Gesamtkunstwerk im Norden Berlins. Die wohl bedeutendste deutsche Künstlerin der klassischen Moderne Hannah Höch lebte bis zu ihrem Tod 1978 auf diesem Anwesen, das sie als lebende Collage immer wieder neu erfand. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zog sich Hannah Höch in ihr Haus zurück, wo sie Schutz für sich, ihre Freunde und ihre dadaistische Kunst fand, die seit 1937 als „entartet“ galt.

Das Grundstück und der Garten
Die kleine Holzlaube, 1912 von Carl Höhr & Co. erbaut, wurde 1920 zu einem Sommerhaus umgebaut. Hannah Höch hat 1939 das in etwa 1.000 Quadratmeter große Grundstück mit Holzhaus Remise und Garten aus einer Erbschaft erworben. 1970, zu ihrem 80. Geburtstag, ließ der Bezirk Reinickendorf der Mitbegründerin der Dada-Bewegung ein Atelier im Garten einrichten. Als Dank dafür überschrieb Höch dem Bezirk ihr Anwesen; dieser verpflichtete sich, Gebäude mit dazugehörigem Garten in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. In den 1990er Jahren wurde das Areal vom Landesdenkmalamt Berlin unter Denkmalschutz gestellt.

Der Verkauf an Familie Bauersachs
2003 wurde das Anwesen vom Bezirk Reinickendorf – selbst auf die Gefahr einer eventuellen Umgehung der Denkmalauflagen hin – dem Liegenschaftsfonds Berlin zum Verkauf übergeben. 2005 kaufte Familie Bauersachs, die seit 1986 dort zur Miete wohnte, das Anwesen. Dabei verpflichtete sich der Bildende Künstler Johannes Bauersachs, Haus und Garten im Andenken und Sinne von Hannah Höch fortzuführen und zu erhalten. Gemeinsam mit Bauersachs und dem Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen e.V. wurde ein Hannah-Höch-Gedächtnisraum eingerichtet, der über die Künstlerin informiert und an sie erinnert.

Das Haus steht unter Denkmalschutz
Der Förderverein Künstlerhaus Hannah Höch e.V. kümmert sich gemeinsam mit der Familie Bauernsachs um Erhalt und Pflege des unter Denkmalschutz stehenden Hauses, Ateliers und Gartens. Er möchte den Collagen-Garten, der als wesentlicher Teil in Hannah Höchs Werk gilt, in seiner Form erhalten und erlebbar machen. Über 40 Jahre lang pflegte Höch dort rund 800 Pflanzen. Während des Krieges nutzte sie den Garten auch als Nahrungsquelle und Versteck. Bis heute können Besucher den Künstlergarten in Heiligensee bewundern, von dem sich die international bekannte Dada-Künstlerin inspirieren ließ: „Was da noch gewachsen ist, wird nicht bemerkt, meine Hoffnung ist die Frühlingssonne. Vielleicht gibt sie mir wieder Kraft – ich habe noch zu arbeiten!“

Die Künstlerin Hannah Höch
Die Malerin, Grafikerin und Collagekünstlerin Hannah Höch, eigentlich Anna Therese Johanne Höch, wurde am 1. November 1889 in Gotha geboren. Vom kleinbürgerlichen Elternhaus hatte sie sich mit einem Studium an der Kunstgewerbeschule emanzipiert. 1920 war sie bei der „Ersten Internationalen Dada-Messe" in Berlin mit ihrer Montage „Schnitt mit dem Küchenmesser. Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands“ vertreten. Das komplexe Tafelbild wurde zu einer Ikone des Dadaismus. Höchs Werk ist umfangreich und stilistisch vielfältig. „Ich habe alles gemacht und mich um Handschrift und Merkmal nie gekümmert“, beschreibt sie ihr Schaffen selbst. Am 31. Mai 1978 starb Hannah Höch mit 88 Jahren in Berlin, beigesetzt wurde sie auf dem Friedhof Heiligensee.
Anna Knüpfing 

Letzte Änderung am Mittwoch, 07 März 2018 15:19

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