Leben im UNESCO Welterbe

Aufnahmen der Weißen Stadt von 1943 Aufnahmen der Weißen Stadt von 1943 Foto: Landesarchiv Berlin

Reinickendorf – Die markante Siedlungsanlage, die heute als Weiße Stadt bekannt ist, wurde zwischen 1928 und 1931 entlang der Schillerpromenade (heute Aroser Allee) errichtet, weshalb sie als Großsiedlung zunächts den Namen „Schillerpromenade“ trug. Da alle Gebäude einheitlich weiß verputzt waren, wurde sie im Volksmund bald „Weiße Stadt” genannt. Als Kontrast zum Weiß der Fassade setzte man Farbakzente, etwa an Dachüberständen, Fensterrahmen, Regenfallrohren und Eingangstüren.

Die Planungen für die „Schillerpromenade“ begannen bereits vor dem Ersten Weltkrieg, aber ein abschließendes städtebauliches Konzept wurde erst für die Bauausstellung von 1931 entwickelt. Unmittelbar südlich der Dorfaue sollte eine Straße angelegt werden, die wie eine Magistrale die Siedlung erschließt. Diese Straße (Schillerpromenade) wurde zusammen mit dem sie umgebenden Straßennetz bis 1914 fertiggestellt. Erst 1928 bewilligte die Stadt Berlin ein Sonderprogramm zur Errichtung der Siedlung.

Entstanden ist diese dann ab 1928 unter Leitung von Stadtbaurat Martin Wagner, der ebenfalls für die Ausführung der Hufeisensiedlung in Britz, der Siemensstadt in Spandau und der Onkel-Tom-Siedlung in Zehlendorf verantwortlich war. Er brachte 1928 auch die Magistratsvorlage zur Verabschiedung eines 15 Millionen Mark umfassenden Sonderprogramms ein. Ziel war es, der zunehmenden Wohnungsnot im frühen 20. Jahrhundert zu begegnen.

Die städtebauliche Planung und der Entwurf der Siedlung lagen bei den Architekten Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg, die Stadtbaurat Martin Wagner zur Verwirklichung moderner städtebaulicher Vorstellungen auswählte. Angelehnt ist das Erscheinungsbild der Siedlung an den Baustil der Neuen Sachlichkeit. Zu den markantesten Bauten gehört das über die Aroser Allee gebaute „Brückenhaus“, ein von Otto Rudolf Salvisberg entworfenes fünfgeschossiges Laubenganghaus. Nicht zuletzt durch diesen markanten Bau ist die Weiße Stadt zu einem Synonym für modernes Wohnen in Reinickendorf geworden. Denn Alt-Reinickendorf ist vor allem von modernisierten Bauernhäusern, Industriebetrieben, Mietskasernen und dem Geschäftszentrum Residenzstraße geprägt.

Die Straßenplanung wurde von Entwürfen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg übernommen, als das Land der zukünftigen Siedlung noch weitgehend aus Feldern bestand. Für die Planung und Gestaltung der Garten- und Grünflächen war der in Berlin geborene Gartendirektor Ludwig Lesser verantwortlich; er war der erste freischaffende Gartenarchitekt Deutschlands, der in Reinickendorf (Frohnau, Hermsdorf, Wittenau), aber auch in Dahlem, Wannsee und im Umland städtebaulich gartenarchitektonische Akzente setzte.

Bauherr der Siedlung mit 1.268 Wohnungen war die Gemeinnützige Heimstättengesellschaft Primus mbH der Stadt Berlin. Die Wohnhäuser waren zweckmäßig und modern ausgestattet und zugleich bezahlbar. In den Siedlungen sollten auch ärmere Menschen, die zuvor oft in dunklen Hinterhöfen wohnten, eine bessere Lebensqualität genießen können.
Einzigartig war damals die Vielzahl der Versorgungseinrichtungen: 24 dezentral verteilte Läden, ein Kinderheim, eine Arztpraxis, eine Apotheke, ein Café und ein Fernheizwerk mit angegliederter Zentralwäscherei gehörten zur Siedlung. Darüber hinaus gab es eine Volks- sowie eine Jugendverkehrsschule.

Nach dem Krieg wurde die Siedlung nach originalem Vorbild, unter Beratung Wilhelm Bünings, erweitert und grundrenoviert. Im Jahre 1982 nahm man die Weiße Stadt in das denkmalpflegerische Erneuerungsprogramm auf. Seit 2008 gehört die Weiße Stadt neben der Museumsinsel und fünf anderen Berliner Wohnsiedlungen zum UNESCSO-Welterbe.
Da sich die Siedlung am Straßengeflecht von Aroser Allee, Baseler Straße, Bieler Straße, Emmentaler Straße, Genfer Straße, Gotthardstraße, Romanshorner Weg, Schillerring, Sankt-Galler-Straße befindet, wird sie auf auch oft „Schweizer Viertel“ genannt.

Eigentümerin der Weißen Stadt ist aktuell die Deutsche Wohnen AG, der auch die Hufeisensiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien und die Siedlung Siemensstadt gehören. Derzeit wohnen etwa 2.100 Menschen in der Siedlung, die eine Gesamtfläche von 14,3 Hektar einnimmt. at

Letzte Änderung am Mittwoch, 10 Januar 2018 14:43

RAZePaperKombi Banner300x136 RAZ App Kombi Banner 300x136 iphone RAZ App Kombi Banner 300x136 B

Meldungen kurz & knapp

Haus | Immobilien | Garten

Neuer Supermarkt entsteht in Tegel

Tegel – In der Ernststraße 7 wurde der Bau eines Selfstorage-Lagers in Verbindung mit einem REWE-Verbrauchermarkt genehmigt. Der geplante Supermarkt ersetzt den ehemals auf der Fläche vorhandenen Markt in annähernd gleicher Größe. Der Baubeginn und die voraussichtliche Fertigstellung wurden noch nicht bekannt gegeben.