Frühere „Kellerkinder“

„Seid ihr ready?“, fragt Eric seine Horte. Er ist seit 10 Jahren bei den Pfadfindern. „Seid ihr ready?“, fragt Eric seine Horte. Er ist seit 10 Jahren bei den Pfadfindern. Foto: sor

Tegel – Es ist früher Abend, und wie immer sieht man in der Pfadfinderburg Tegel in der Ziekowstraße 163 das Licht brennen. Der „Heimabend“ beginnt meistens ab 16 Uhr, für die Älteren ab 20 Uhr.

In der Küche der „Burg“, wie sie einfach genannt wird, wäscht Erik mit seiner Horte, einer Jungengruppe, das Geschirr ab. Demnächst machen seine Wölflinge eine Winterfahrt. Sie sind zwischen sieben und zwölf Jahre alt. „Was soll ich als Fahrtenname auf den Zettel eintragen?“, fragt einer der Wölflinge. „Deinen Namen, du hast noch keinen Fahrtennamen, weil du noch nichts Dummes angestellt hast“, erklärt ihm Erik. „Schreib doch verstopftes Eichhörnchen, weil du so ähnlich lachst“, schlägt ein Junge vor. Nach dem Abwasch spielen sie in der „Bettenburg“ Verstecken im Dunkeln. Erik wartet vor der Tür und zählt bis 30 runter.

In der Burg gibt es eine Kemenate, ein Raum mit einem Kamin, in dem alle Heimabende stattfinden. Außerdem hat die Pfadfinderburg zwei Säle, einen Schlafraum (die „Bettenburg“), eine Küche, einen Balkon und eine Gartenfläche. Ansprechpartner ist der sogenannte Burgvoigt. Die Pfadfinder haben eine lange Tradition. Das Pfadfinderleben fängt als Wölfling an und ist als Lebensbund gemeint.

Doch in Tegel sind die Pfadfinder noch nicht lange zu Hause. Bis 1982 waren sie „Kellerkinder“, berichtet Porki, einer der Älteren, in der aktuellen Ausgabe des „Wartburg Boten“, der Zeitung der Pfadfinderburg. Ihre Heimabende mussten notgedrungen im Keller des Georg-Herwegh-Gymnasiums Hermsdorf stattfinden. Eine zweite Möglichkeit waren die Hobbyoder Waschkeller hilfsbereiter Eltern. Fahnen konnten darin allerdings nicht dauerhaft aufgestellt werden und Lieder sollten möglichst leise gesungen werden. Porkis Mutter versuchte es 1981 mit einem ‚Ärgerzettel’, einer damaligen Aktion der Bildzeitung. Dieser Ärgerzettel gelangte ins Bezirksamt Reinickendorf und resultierte erst mal in einer Absage. Doch der gute Draht zu Bezirksstadtradt Detlef Dzembritzki brachte den Stein dann doch ins Rollen:„In der Folgezeit gab es dann sehr konstruktive Gespräche, in denen wir feststellten, dass ‚unser’ Detlef in seiner Jugend ebenfalls Pfadfinder war.“ Die Frohnauer Pfadfinder profitierten gleich mit und erhielten, zunächst per Handschlag, von Dzembridzki das „Häuschen“ am Poloplatz, die Tegeler ihre „Burg“. Sie gehört zwar dem Bezirk Reinickendorf, die Pfadfinder sind seitdem aber ihre festen Mieter.

Nun hat „Cattie“ mit ihrer Gilde Heimabend. Die Pfadfinderkluft ist immer noch ein ungewohnter Anblick. Noch immer ist Cattie verwundert, was einer Horte zuletzt auf einer Großfahrt in Russland passierte. „Ey ihr Nazis!“ mussten sie sich anhören. Dabei wurden die Pfadfinder von den Nazis damals gleichgeschaltet.

Manche Mädchen aus Catties Gilde kamen durch das Burgfest, quasi dem Tag der offenen Tür, zu den Pfadfindern. Catties Familie jedoch ist schon bis zu ihrem Großvater bei den Pfadfindern in Reinickendorf. Auch Volvics Mutter war schon Pfadfinderin in der Burg: „Meine Mutter ging früher jeden Tag zu den Tegeler Pfadfindern, wenn die Schule aus war. Ihr Leben bestand nur aus Pfadfinder sein. Früher wurden ja auch noch richtige ‚Fehden’ in der Burg zwischen den Pfadfindern ausgetragen“, erzählt „Volvic“. Für so ein Pfadfinderleben ist die Burg mittlerweile ein festes Zuhause. Jeder ist herzlich eingeladen, das nächste Burgfest oder einen Heimabend zu besuchen: www.pfadfinderburg.de sor

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