Kasinoturm: Raus aus dem Dornröschenschlaf

Hier strahlt der Kasinoturm kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1910. Hier strahlt der Kasinoturm kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1910. Foto: Humboldt-Bibliothek

Frohnau - Er gilt als Wahrzeichen Frohnaus und ziert sogar das Wappen des Reinickendorfer Ortsteils – doch ein Großteil des denkmalgeschützten Ensembles am Ludolfingerplatz liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf. In diesem Jahr wird er wieder erweckt. Zwar nicht durch den Kuss eines Prinzens, sondern durch einen neuen Eigentümer. Die Concarus Real Esate Investment GmbH hat das Ensemble von einer irischen Investmentgruppe gekauft. Nach Jahren des Stillstands und Verfalls soll der Turm samt Gebäuden saniert und sogar erweitert werden. Start für die Bauarbeiten ist bereits das Frühjahr 2016. 128 Stufen geht es hinauf, immer rechts herum im Kreis. Doch der Aufstieg ist nicht umsonst, denn die Aussicht belohnt für jeden einzelnen Treppenschritt. Aber diesen Blick kann derzeit niemand genießen. Seit Dezember 2010 ist der Kasinoturm komplett geschlossen, nachdem das Restaurant gezwungen war, nach einer Deckenabsenkung in der Damentoilette und Korrosionsschäden an Stahlträgern der Kellerdecke den Betrieb zu schließen. Als Wahrzeichen und Landmarke wurde der 35 Meter hohe Turm zwischen 1909 und 1910 gebaut und nach den Plänen der Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser mit einem edlen balkonartigen Umgang unterhalb der Turmspitze versehen. Der Turm ging im Jahr 1910 als Wasserturm mit Aussichtsplattform in Betrieb. Im Ersten Weltkrieg wurde das Kasinogebäude am Bahnhof zum Vereinslazarett Frohnau umgestaltet, das sich wegen der Zunahme von Granatsplitterverletzten zu einer chirurgischen Klinik entwickelte. Dem Turm vorgelagert war ein Kasinokomplex mit mehreren Restaurants, der im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wurde. Während des Krieges wurde er als Flakturm genutzt. Als Ersatz für die zerstörten Kasinorestaurants entstand 1950/1951 ein Restaurant im Turm, das wieder Kasino genannt wurde. Mehr als ein halbes Jahrhundert, bis zur Schließung des Restaurants 2010, veränderte sich an dem Gebäudekomplex um den Turm wenig. Einen Lichtblick gab es im Jahr 2012, als die Musikerin Marion Karliczek und der Künstler Günter Vieth interessierten Frohnauern ein Konzept vorstellten, aus dem Ensemble samt Turm ein neues Kulturzentrum zu eröffnen, in dem die Kunst- und Musikschule Frohnau genügend Räume hat, aber auch Platz ist für Ausstellungen, Konzerte und Events. Das neu gestaltete Erdgeschoss sollte zur „Galerie Frohnau“ mit monatlich wechselnden Ausstellungen bekannter und unbekannter Künstler werden. Dort, bei Kaffee und Kuchen, Sekt oder Wein hätten es sich die Besucher während des täglichen Galeriebetriebs gemütlich machen können. In den Sommermonaten wäre die Terrasse zum Eiscafé für die ganze Familie und abends zum Biergarten avanciert. Im ersten Stock befindet sich ein kleiner Saal, den die Künstler für Veranstaltungen nutzen wollten. Weiter hinauf in Richtung Turmzipfel gibt es vier Etagenzimmer, in denen sie Musik- Einzelunterricht geben wollten. Allerdings ließ sich all das weder finanziell noch baulich umsetzen. Denn der Turm steht unter Denkmalschutz und verfügt über keinerlei Fluchtwege. Es gibt nun viel zu tun, hat doch der ehemalige Eigentümer in den Wintermonaten anfangs nicht dafür gesorgt, das Wasser abzustellen oder die Heizungen einzuschalten. So sind Leitungen geplatzt, Wasser ist ausgelaufen und hat große Schäden angerichtet. Auch der Parkettfußboden ist in vielen Bereichen zerstört. Doch der neue Eigentümer, die Concarus Real Estate Invest GmbH, hat Großes vor. Dazu hat der Frohnauer Architekt Uwe Herz eine Machbarkeitsstudie erstellt, wie das denkmalgeschützte Ensemble attraktiver gemacht werden kann. Wie wäre es also mit einer gemütlichen Piazza auf dem Bereich zwischen Turm und der Bushaltestelle? Die Treppen würden hierfür beseitigt werden. Oder könnte man den Vorbau in der Welfenallee aufstocken oder bis zur Bushaltestelle verbreitern? So entstünde neben dem schon vorhandenen Reformhaus Platz für weitere Geschäfte. Der Wunsch der Frohnauer nach einem Drogeriemarkt wird wohl als erstes erfüllt – der Vorvertrag sei bereits unterschrieben. Die Entwicklung dieses Ensembles scheint in guten Händen: Schließlich hat sich die Concarus Real Estate Invest GmbH auf die Revitalisierung von Einzelhandelsimmobilien, Nahversorgungs- und Fachmarktzentren, SB-Warenhäuser und Shoppingcentern spezialisiert. „Immer größeren Raum nimmt bei uns die Revitalisierung von Einzelhandelszentren ein“, heißt es auf ihrer Website. „Als Investor kaufen wir Bestandsimmobilien, analysieren das Objekt und setzen unsere Revitalisierungsstrategie um. Unsere Stärken liegen sowohl in der kaufmännischen als auch in der technischen Planung und Umsetzung von Revitalisierungsmaßnahmen sowie in einer zügigen Durchführung des Revitalisierungsprozesses.“ Beginn für der Umbau des Gebäudes und des Vorplatzes soll bereits im Frühjahr sein, mit der Fertigstellung wird im Sommer 2017 gerechnet. kal

Letzte Änderung am Montag, 24 Oktober 2016 16:44

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