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„Jeder geht verändert bei mir heraus“

Petra Vogt bringt viele verstrittene Nachbarn wieder an einen Tisch. Petra Vogt bringt viele verstrittene Nachbarn wieder an einen Tisch. Foto: ima

Reinickendorf – In Deutschland ist beim Privatklageweg das Schiedsgericht verpflichtend. Betroffene in Reinickendorf haben die Möglichkeit, sich je nach Schiedsamtsbezirk bei der jeweiligen Schiedsperson zu melden. Für den Schiedsamtsbezirk Reinickendorf 1 (PLZ 13465, 13467, 13469, 13503, 13505) ist seit 2012 Petra Vogt ehrenamtlich zuständig. Die RAZ traf sich mit der Schiedsfrau, um mit ihr über ihre Tätigkeit, häufige Konflikte im Bezirk und ihre bisherige Bilanz zu sprechen.

Warum haben Sie sich auf das Amt der Schiedsperson beworben?

Petra Vogt: Ich wollte schon lange ein Ehrenamt übernehmen. Da ich ein wenig von Recht und Gesetz verstehe und gut mit Menschen umgehen kann, hat das gut gepasst. Sie arbeiten in Vollzeit.

Wie vereinen Sie Beruf und Ehrenamt?

Ich bearbeite die Fälle vor allem sonnabends und führe die Verhandlungen überwiegend dienstags oder donnerstags um 18 Uhr.

Wie kommt es zu einem Schlichtungsverfahren?

Nach dem Anruf des Antragstellers sende ich dem Antraggegner eine Vorladung per Postzustellungsurkunde. Wenn möglich, rufe ich vorher an und bespreche einen Termin. Natürlich gibt es gute Gründe, wie ein Krankenhausaufenthalt, um nicht zu kommen. Wenn aber jemand unentschuldigt fehlt, dann muss ich – auch wenn mir das keine Freude macht – ein Ordnungsgeld verhängen.

In welchen Räumlichkeiten finden die Verhandlung statt?

Die Besonderheit für die Bewerbung in Reinickendorf war, dass man die Schlichtungen bei sich zu Hause macht. Das hat einige Vorteile, da die Konfliktparteien zu Gast bei mir sind. Falls Leute mal lauter werden, kann ich sie viel besser ermahnen als in amtlichen Räumen. Es fällt mir auch leichter, eine lockere Atmosphäre herzustellen.

Haben Sie ein bestimmtes Handwerkszeug, um eine Schlichtung zu erzielen?

Ich versuche vor allem, beiden Parteien die Möglichkeit zu geben, sich in den jeweils anderen hineinzuversetzen. So ein Perspektivwechsel kann auch ganz konkret vor Ort geschehen. Zum Beispiel hatte ich den Fall, dass sich ein Antragsteller auf seiner Haustürtreppe von seinem Nachbarn beobachtet gefühlt hat. Wir sind dann auf das Grundstück des Nachbarn gegangen und haben bemerkt, dass der Blickwinkel eine Beobachtung überhaupt nicht zulässt. Meine Aufgabe ist nicht ein Urteil zu fällen, daher bin ich in einem besonderen Maße der Neutralität verpflichtet. Ein Vergleich ist zwar rechtlich bindend, aber kann nur im Einvernehmen beider Parteien beschlossen werden.

Sie sind seit 2012 Schiedsperson, wie ist Ihre Bilanz bis jetzt?

Begonnen habe ich mit dem Anspruch, 100 Prozent der Streitigkeiten erfolgreich zu schlichten und bin dann ziemlich schnell auf dem Boden der Realität gelandet und musste einsehen, dass auch mit gutem Willen nicht alles gelingt. Ich bin aber davon überzeugt, dass, selbst wenn ich keine Einigung erzielen kann, jeder verändert aus meiner Wohnung herausgeht.

Vielen Dank für das Gespräch.
Interview Immanuel Ayx

Kontakt: Tel. (030) 8092 3950 oder
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Letzte Änderung am Freitag, 23 September 2016 18:16
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