Gärten unter Wasser

Bettina Lutze-Luis Fernandez in ihrem Garten auf ihrem SUP-Board. Bettina Lutze-Luis Fernandez in ihrem Garten auf ihrem SUP-Board. Foto: fle

Tegel – Dies war einmal ihr Garten. Liebevoll angelegt mit Stauden und Büschen, einem kleinen Teich in der Ecke. Nun ist von all dem nichts mehr zu sehen. „Ich habe jetzt ein Haus am See“, sagt Grundstücksinhaberin Bettina Lutze-Luis Fernandez auf ihrem SUP-Board und lacht – doch das Lachen bleibt ihr im Hals stecken. Denn die Lage ist zu ernst, als dass man darüber lachen kann. Denn das Wasser, das vor mehr als vier Wochen vom Himmel kam und als „Berliner Jahrhundertregen“ in den Zeitungen betitelt wurde, bleibt. Es steht im Garten, der einst liebevoll angelegt wurde – samt Miniteich. Es versickert nicht und beginnt mächtig zu stinken. Nur die Mücken scheinen begeistert. Ein wahres Mücken-Mekka ist entstanden, doch Rasen und Bäume gehen langsam ein: Sie ertrinken schlichtweg.

Bettina Lutze-Luis Fernandez ist nicht die einzige Betroffene in der Siedlung Mäckeritzwiesen und Singdrosselsteig 4. Viele der insgesamt 182 Grundstücke, die sich zwischen dem Flughafen Tegel und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal befinden, stehen aufgrund des hohen Grundwasserspiegels seit Wochen unter Wasser. Das Wasser frisst sich durch Hauswände und lässt Keller volllaufen. Doch die Anwohner – allesamt Hauseigentümer und vielfach betagter – wurden mit ihren Pro­blemen allein gelassen. Mehr als 24 Stunden waren sie Anfang Juli ohne Strom; auch die Toilettenbenutzung und das Duschen waren zeitweilig nicht möglich. „Niemand fühlte sich zuständig“, erklärte Bernd Plenus, Vorsitzender des Vereins Siedlung Mäckeritzwiesen. „Und so mussten wir uns kurzerhand selbst irgendwie behelfen.“ Plenus beauftragte kurzerhand das Technische Hilfswerk (THW). Nachdem weder Bezirk noch Senat aktiv wurden, ist das Hilfswerk den Bewohnern ganz unbürokratisch zu Hilfe gekommen. „Das THW pumpte an insgesamt fünf Tagen das Wasser von den Grundstücken“, sagt Plenus. Diese schnelle Hilfe muss natürlich auch bezahlt werden. Ein fünfstelliger Betrag ist nun offen – und bereitet den Anwohnerinnen und Anwohnern einige Bauchschmerzen. Doch endlich ist die erste Hilfe angelaufen: Der Bezirksverordnete Norbert Raeder war als einer der ersten Helfer vor Ort, fragte, was die Menschen brauchen und was er tun könne. Auch die CDU-Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner und Dr. Frank Steffel reagierten. Steffel setzte sich kurzerhand mit dem Wohnungsbaukonzern Deutsche Wohnen in Verbindung und fand in ihr einen Spender. „Ich freue mich, dass das Unternehmen den Anwohnern nun zu Hilfe kommt“, sagt er.

Am 4. August übergab Manuela Damianakis, Director Corporate Communication & Public Affairs der Deutschen Wohnen, im Beisein von Frank Steffel und Anwohnern einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro an Bernd Plenus. „Wir sind quasi Nachbarn, haben ja mit der UNESCO-Siedlung in Siemensstadt eine große Siedlung auf der anderen Seite des Kanals und wollen die Anwohner hier unterstützen“, erklärt Damianakis.

JW9A7848Manuela Damianakis überreichte im Beisein von Frank Steffel (M.) einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro an Bernd Plenus. Foto: fle

Die Anwohner freut die Spende. „Vielen Dank, dass Sie einfach schnell und unkompliziert reagiert und geholfen haben“, sagt Bernd Plenus. „Hiermit können wir einen Großteil der THW-Kosten bezahlen“, fügt er hinzu. Für alle Beteiligten ist jedoch klar, dass das Abpumpen durch das THW allein nicht reicht – zumal der Grundwasserspiegel so hoch ist, dass Gärten und Grundstücke nur einen Tag später wieder unter Wasser standen. An einem runden Tisch, der im Anschluss an die Scheckübergabe einberufen wurde, diskutierten die Beteiligten mögliche Lösungen für das Hochwasser-Problem. Eine mögliche Lösung wäre, den alten Mäckeritzgraben wieder zu aktivieren, um das Wasser dauerhaft in den Kanal zu pumpen.

„Seit 1928 existiert der Mäckeritzgraben, der – seit 1953 mit Pumpen ausgestattet – jahrelang zur Entwässerung des Gebietes beitrug“, erklärt Eva-Beatrice Plenus. „Doch im Zuge des Flughafenbaus ging das Grundwasser zurück, der Graben trocknete aus. 1977 wurde die Pumpstation stillgelegt, 1980 das Sammelbecken samt Pumpstation abgerissen.

Nun sind alle Beteiligten dabei eine zeitnahe Lösung zu erarbeiten und umzusetzen. Auf lange Sicht müsse aber eine professionelle gefunden werden, damit wieder ein Leben ohne Angst vorm nächsten Regen in diesem Gebiet möglich ist.

„Wichtig ist, dass nun alle an einem Strang ziehen und das Hin und Her zwischen den Zuständigkeiten endlich aufhört“, fügt Frank Steffel abschließend hinzu. fle

Letzte Änderung am Mittwoch, 09 August 2017 07:59

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Hermsdorf – Aufgrund der Starkregenereignisse im Juli kam es zu Unterspülungen der Fahrbahn in der Frohnauer Straße in Höhe der Straße Am Dominikusteich. Für die erforderlichen Instandsetzungsarbeiten musste die Frohnauer Straße zwischen Am Dominikusteich und dem Klosterheider Weg voll gesperrt werden. Die Umleitung für den Verkehr erfolgt nun über die Kneippstraße, die Kurhausstraße und den Falkentaler Steigt. Der komplette Abschluss der Instandsetzungsarbeiten und die Freigabe der Straße sind für den 11. August geplant.

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