Lärm- und Dreckschleuder

Das zweitgrößte Flugzeug der Welt ist zu groß für den Flughafen Tegel und kann nicht an keinem Gateway andocken. Das zweitgrößte Flugzeug der Welt ist zu groß für den Flughafen Tegel und kann nicht an keinem Gateway andocken. Foto: bek

Bezirk – Der kleine Erdwall an der Meteorstraße, ein paar hundert Meter westlich des Kurt-Schumacher-Platzes, ist gut besucht. Die „Planespotter“ beobachten und fotografieren die Flugzeuge. Von hier hat man einen guten Blick auf das Rollfeld des Flughafens Tegel. Nur die Stadtautobahn trennt die Planespotter vom Flughafen. Und da tut sich jetzt was. In der Ferne, direkt vor dem Tower, setzt sich eine besonders große Maschine in Blau und Weiß mit dem Lufthansa-Emblem in Bewegung, die Kameras mit den langen Objektiven werden in Stellung gebracht. Die Kenner wissen Bescheid: Das ist eine Boeing 747-400, im Volksmund Jumbo-Jet genannt.

50 Minuten zuvor ist die Maschine gelandet, jetzt geht sie schon wieder an den Start. Das Oberdeck bleibt wegen der kurzen Standzeit geschlossen. „Wir würden sonst beim Ein- und Ausstieg der Fluggäste zu viel Zeit verlieren“, sagte der Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber der dpa. Und weil der Flughafen nicht für das Andocken der 747 an das Terminalgebäude vorbereitet sei, finde ein Bus-Transfer zwischen Terminal und dem Flugzeug auf dem Vorfeld statt. Nun rollt die Maschine ziemlich dicht an den TXL-Fans vorbei, dann gibt der Pilot vollen Schub, die 747 hebt Richtung Westen ab und verschwindet hinter dem Spandauer Rathaus und der Nikolaikirche in den Wolken.

Seit dem 1. November starten und landen die großen Jets in Tegel. „Lufthansa reagiert damit auf die nach dem Aus der Air Berlin stark gestiegene und anhaltend hohe Nachfrage insbesondere auf ihrer ohnehin meist beflogenen Strecke Frankfurt-Tegel“, begründete die Fluggesellschaft den Einsatz der Großraumflugzeuge. Die sollten nur bis Ende November Tegel anfliegen, aber die Airline teilte schon bald mit, dass Jumbos bis kurz vor Weihnachten den Himmel über Berlin verdunkeln werden. Insgesamt 28 Mal sollen die Maschinen des Typs 747 in den ersten drei Dezember-Wochen in Tegel landen, jeweils von montags bis donnerstags. Im November waren es mehr als 60.

Was Planespotter erfreut, ärgert die Anwohner. Unterstützung erhalten sie von Jörg Stroedter, Abgeordneter und Flughafenkoordinator der Berliner SPD-Fraktion: „Es ist absurd und vollkommen unnötig, diese Flüge mit einer der lärmintensivsten Maschinen, die eigentlich für den Langstreckenverkehr gedacht ist, weiterhin durchzuführen. Die Anwohner müssen erhebliche Lärmbelastungen hinnehmen. Vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten Lärmkartierung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima ist das der falsche Weg und konterkariert unsere Bemühungen um eine Reduktion der Lärmemissionen in Berlin.“

Früher „verirrten“ sich selten einmal Jumbo-Jets auf dem Tegeler Flughafen. Am 15. Juli 2014 etwa brachte mit einer Ausnahmegenehmigung der „Siegerflieger“ mit den frisch gebackenen Fußball-Weltmeistern Jogi Löw, Bastian Schweinsteiger und Co. von Brasilien nach Berlin und überflog dabei auch noch die Fanmeile am Brandenburger Tor. Und die Berliner Philharmoniker starten seit Jahren im Herbst mit einer 747 der Lufthansa zu ihren Konzerttourneen nach Übersee.

Der Normalzustand dürfen Jumbos auf dem TXL jedoch nicht sein, sagen die Verantwortlichen der Bürgerinitiative „Tegel schließen – Zukunft öffnen“. „Aber ich habe damit gerechnet, dass der Zustand verlängert wird, vielleicht sogar ins nächste Jahr hinein“, sagte der Sprecher Klaus Dietrich der RAZ. „Ich verstehe ja, dass durch das Aus von Air Berlin eine Lücke entstanden ist und Sitzplätze fehlen, auch weil die Air- Berlin-Maschinen von der Lufthansa nicht direkt übernommen werden können. Was ich aber nicht verstehe, ist die stringente Entscheidung der Lufthansa pro Tegel. Warum geht man nicht nach Schönefeld, da gibt es zwei Rollbahnen à 4.000 Meter Länge. In Tegel misst die längere Bahn 3.400 Meter, das reicht so gerade für den Jumbo. Und in Schönefeld gibt es noch ein Wachstum an Slots und Flugbewegungen, während das in Tegel nicht der Fall ist.“

Dietrich hält es für eine „Verhöhnung der 300.000 Lärmgeschädigten von Tegel, Inlandsflüge mit einer veralteten 747-400 durchzuführen. Sie ist mit bis zu 84,9 Dezibel bei Start und Landung in die Kategorie 5 eingeordnet. Nur Antonows und Iljuschins sind noch lauter.“ Die Anfang November „von den Landesregierungen Berlins und Brandenburgs getroffene Entscheidung, weiterhin nur auf einen Flughafen in der Region zu setzen“, begrüße die Initiative ausdrücklich. Tja, nur ein Flughafen in der Region, das sollte ja schon seit fünf Jahren der BER sein. Mit Spannung wird nun das für den 15. Dezember angekündigte Statement von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zum neuen Eröffnungstermin des BER erwartet. Dietrich: „Ich bin wirklich neugierig, was er sich da einfallen lassen will. Mir fällt zum Thema BER schon lange nichts mehr ein.“ bek

Letzte Änderung am Montag, 04 Dezember 2017 14:17

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Meldungen kurz & knapp

Politik | Wirtschaft | Recht

Infos zur Hennigsdorfer

Heiligensee – Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt möchte mit den Anwohnern über die Straßenbaumaßnahme Hennigsdorfer Straße am Montag, 19. Februar, 17 Uhr, im BVV-Saal, Eichborndamm 215, ins Gespräch kommen. Voraussichtlicher Baubeginn: Frühjahr 2018.

Gegen Verkehrschaos

Bezirk – Die A111 soll 2021 grundsaniert werden. Die U6 in dem selben Jahr. Ebenso die S25. Drei wichtige Verkehrs­träger werden somit 2021 gleichzeitig lahmgelegt. Dagegen hat die CDU-Fraktion ein Paket mit Anträgen in die BVV eingebracht, das alternative Verkehrsrouten durch und um Reinickendorf benennt.

Pro und Contra

Reinickendorf – Der soziale Flügel der CDU, die Christliche Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), diskutiert im Rahmen ihres Stammtisches über die Vor- und Nachteile der Bürgerversicherung und deren Folgen. Die CDA vertritt die Arbeitnehmer zu sozialen und gesundheitspolitischen Themen innerhalb und außerhalb der CDU. Am Freitag, 26. Januar, können Interessierte an der CDA-Gesprächsrunde zur Bürgerversicherung teilnehmen. Der CDA-Stammtisch findet in dem Altberliner Restaurant „Latichte“, Alt-Reinickendorf 29A, um 18 Uhr statt. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Aktiv gegen rechts

Bezirk Bildungsprojekte und Initiativen in Reinickendorf können im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ Anträge auf Förderung stellen. Gefördert werden Projekte und Workshops, die der positiven Entwicklung der Willkommenskultur dienen. Weitere Infos erteilt die Albatros gGmbH, Auguste-Viktoria-Allee 17, R.Palm@albatrosggmbh.de

VMehr berlinpass-Anspruchsberechtigte

Bezirk – Bezirk – Seit Februar können auch Empfänger von Wohngeld sowie Bürger, die eine DDR-Opferrente erhalten, den berlinpass beantragen. Neben dem Sozialticket können sie zahlreiche Vergünstigungen nutzen. Die Ausgabestelle für den Berlinpass befindet sich im Bürgeramt, Teichstraße 65, Haus 1.

SPD-Klausurtagung

Bezirk – Bezirk – Die SPD-Fraktion in der BVV-Reinickendorf hat ein Arbeitsprogramm für 2018 erarbeitet. Themenkomplexe sind u.a. Verkehrspolitik, Jugendpolitik, Stadtentwicklung (vor allem in Reinickendorf-Ost und im MV) und die Sozialstruktur für die Siedlungen in den Rollbergen, im Märkischen Viertel und in Tegel-Süd.

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