Die politische Debatte wird rauer

Am 22. Oktober demonstrierten etwa 12.000 Menschen unter dem Motto „Gegen Rassismus im Bundestag“. Am 22. Oktober demonstrierten etwa 12.000 Menschen unter dem Motto „Gegen Rassismus im Bundestag“. Foto: AgR

Bezirk/Berlin – Rassismus begegnet einem im Alltag immer wieder – an der Supermarkt-Kasse, in der U-Bahn oder auch beim Familienfest. Oft verfällt man dann in eine Schockstarre, und erst viel später fällt einem eine gute Antwort ein. Seit die AfD und auch Pegida immer mehr Zuspruch bekommen, ist der Ton in der politischen Debatte in Deutschland rauer. Um den immer lauter werdenden rechten Stimmen etwas entgegenzusetzen, wurde im vergangenen Jahr das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ (AgR) gegründet, das mit unterschiedlichen Aktionen wie Flyer-Verteilen oder Demonstrationen gegen die AfD und Rassismus mobil macht. Das zentrale Anliegen ist, in den „Stammtischkämpfer*innen- Seminaren“ möglichst viele Menschen auszubilden. Sie sollen befähigt werden, sich im Alltag Rassismus entgegen zu stellen. Bisher haben deutschlandweit 6.545 Menschen (Stand 11/2017) an den Seminaren teilgenommen.

„In unseren Seminaren erarbeiten wir Methoden, wie man auf rassistische Sprüche reagiert“, sagt Marijana von AgR Berlin. Das können Gegenfragen sein, aber man kann sich auch räumlich zu dem Angegriffenen stellen. In Rollenspielen werden einschlägige Situationen geprobt. „Beim Rollentausch merken die Teilnehmenden, wie einfach es fällt, Parolen rauszuhauen“, sagt Marijana. Es helfe, kurz innezuhalten, die Situation zu überblicken und dann zu reagieren. Man sollte sich aber immer auch die Frage stellen, wen man überzeugen kann und wen nicht. Bei den Seminaren tauschen die Teilnehmenden ihre Erfahrungen aus. Viele sind frustriert, weil sie die Erfahrung machen, dass sie sich oft alleine gegen rechte Hetze stellen. „Damit ist man aber ein gutes Beispiel für andere Menschen, die dann in einer ähnlichen Situation auf rassistische Aussagen reagieren“, sagt Marijana. „Unser Ziel ist es, die Kiezgruppen zu stärken“, sagt Alexander von AgR Berlin.

Die Reinickendorfer Bezirksgruppe wurde von Manuel Hintze aus dem Märkischen Viertel (MV) ins Leben gerufen. Zusammen mit seinen Reinickendorfer Mitstreitern organisiert er verschiedene Aktionen. Zum Beispiel verteilten sie Flyer beim Tegeler Hafenfest und sprachen Menschen an. „Die meisten AfD-Wähler sind nicht klar als Nazis zu identifizieren“, sagt Pascal Fournier von AgR Reinickendorf. Vor der Bundestagswahl besuchte sie insbesondere Wahlbezirke, in denen die AfD bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Jahr 2016 besonders stark war – das waren das MV, Tegel-Süd, die Siedlung Rollberge und Reinickendorf- Ost. Im Vergleich zu 2016 verlor die AfD in Reinickendorf Stimmen.

Dass trotzdem noch viele Menschen der AfD ihre Stimme geben, ist für AgR ein Grund, auch nach der Wahl weiter aktiv zu bleiben und öffentlich ein Gegengewicht zu rechter Hetze zu bilden. „Die rote Linie, was sagbar ist, wieder verschieben“, nennt das Marijana.

Warum stellen sich so wenige Menschen gegen Rassismus? Minderheiten sind zumeist als erste betroffen, wenn die Stimmung kippt. Manuel zitiert abschließend den Theologen Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ ima

Das nächste Treffen von AgR Reinickendorf findet am 18. Dezember um 19.30 Uhr statt. Weitere Infos unter Tel. 0174-8673870, an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter www.facebook.com/pg/ReinickendorfGegenRassismus

 

Letzte Änderung am Montag, 04 Dezember 2017 13:43
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Meldungen kurz & knapp

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Einladung ins Abgeordnetenhaus

Reinickendorf – Der CDU-Wahlkreisabgeordnete Stephan Schmidt (Waidmannslust, Konradshöhe, Tegelort und Tegel) lädt die Bürgerinnen und Bürger seines Wahlkreises am Donnerstag, 14. Dezember, zu einem Vormittag in den Preußischen Landtag ein. Auf dem Programm stehen: Teilnahme an einer Plenarsitzung, Führung durch das historische Gebäude und ein persönliches Gespräch mit dem Abgeordneten. Anmeldung mit Namen und persönlichen Daten unter (030)4039 5793 oder per Mail an buero@stephan-schmidt.berlin.de. Die Teilnahme ist begrenzt, Anmeldeschluss ist der 7. Dezember.

Bürgergespräch mit Tim- Christopher Zeelen

Borsigwalde – Am Samstag, 16. Dezember, wird der Abgeordnete für Borsigwalde Tegel, Waidmannslust und Wittenau, Tim-Christopher Zeelen von der CDU, um 10:30 Uhr an der Ernststraße/ Schubartstraße vor Ort sein. Dort steht er allen Reinickendorfer für ein Gespräch zur Verfügung. Wer keine Zeit hat, kann dem Abgeordneten auch eine E-Mail an kontakt@tim-zeelen.de senden oder ihn anrufen unter (030) 437 78648.

Weihnachts-Kieztour mit Emine Demirbüken-Wegner

Reinickendorf – Die Reinickendorfer Abgeordnete Emine Demirbüken-Wegner, kurz EDW, wird am 16., 21. und am 22. Dezember jeweils von 10 bis 14 Uhr mit ihrer Weihnachts-Kieztour in Reinickendorf-West unterwegs sein. Dabei wird sie mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmerinnen und Unternehmern sprechen.

Aus für sachgrundlos befristete Arbeitsverträge

Reinickendorf – Das Abgeordnetenhaus hat am 30. November einem Antrag zugestimmt, der die Abschaffung sachgrundloser Befristungen im öffentlichen Dienst von Berlin, in den landeseigenen Unternehmen und deren Tochtergesellschaften beschließt. Die Reinickendorfer SPD-Abgeordnete Bettina König: „Ich freue mich, dass meine Initiative aufgegriffen worden ist und die rot-rot-grüne Koalition zügig einen Schritt zu besseren Arbeitsbedingungen in Landesverantwortung geht. Das Ende der sachgrundlos befristeten Arbeitsverträge überall dort, wo das Land Berlin Verantwortung trägt, bedeutet eine deutliche Trendwende weg von prekärer Beschäftigung! Ich wünsche mir, dass dies Vorbildfunktion für den Bund hat und wir in ganz Deutschland wieder zum Normalarbeitsverhältnis zurückfinden.“ Sachgrundlose Befristungen von Mitarbeitern und die damit einhergehende Unsicherheit und Perspektivlosigkeit sind eine Belastung für die Betroffenen, für die es keine Rechtfertigung gibt, denn das Gesetz sieht bei Vorliegen entsprechender Gründe ausreichend Möglichkeiten für Befristung mit Sachgrund vor.

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