Das wandelnde Lexikon

Hier hat alles vor 55 Jahren begonnen: Frank Max Polzin zeigt seinen ersten Arbeitsplatz, die Post in Tegel. Hier hat alles vor 55 Jahren begonnen: Frank Max Polzin zeigt seinen ersten Arbeitsplatz, die Post in Tegel. Foto: fle

Bezirk – Weiße Haare, Brille und Posthorn-Weste – wenn er beginnt, über den Fuchsbezirk zu reden, wird es mucksmäuschenstill. Er „entführt“ seine Zuschauer in vergangene Zeiten, kramt Vergessenes wieder aus der Erinnerung und zeigt auf historischen Lichtbildern, wie Heiligensee, Tegel & Co. früher einmal ausgesehen haben. Frank Max Polzin, besser bekannt als „Postmaxe“, füllt mittlerweile große Säle, denn der Blick zurück kommt an. Ende Januar feierte er seinen 70. Geburtstag. Die RAZ gratulierte und sprach mit ihm.

Sind kennen Reinickendorf wie kaum ein anderer im Bezirk. Sind Sie auch hier aufgewachsen?
Frank Max Polzin: Ich bin im Klinnerweg in Borsigwalde aufgewachsen und in der Sommerfelder Straße zur Schule gegangen. Unser Highlight war das Kino in der Schubartstraße, denn einen Fernseher hatten wir nicht. Das Kino Kurmarkt bei Tante Sandmann war etwas ganz Besonderes. Wir Kinder haben alle im Foyer gestanden und hatten natürlich keinerlei Geld. Doch irgendwann kam Tante Sandmann und hat uns heimlich reingelassen – natürlich kostenlos! Das Kino hatte einen oberen Bereich mit Balkon, und mit den ersten Freundinnen sind wir natürlich nach oben in die letzte Reihe gegangen, wo uns keiner sieht…

Sie sind dann Postbote geworden. War das Ihr Traumberuf?
Ja, eigentlich war mein Wunsch immer, einmal bei der Post anzufangen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass mein Vater Max Zusteller war, und zwar in Heiligensee. Als ich noch klein war, standen an den Wochenenden immer Ausflüge nach Heiligensee an. Ich wollte immer zur Post – und das hat auch geklappt. Und ich wollte auch beruflich immer nach Heiligensee, weil Vater da war – und auch das habe ich geschafft. Angefangen habe ich 1963 auf dem Postamt in Tegel als Postjungbote, und nach zweieinhalb Jahren wurde ich als Postschaffner übernommen. Danach wurde ich Oberschaffner, Hauptschaffner und Postbetriebsassistent. Ein paar Jahre war ich Springer, und dann erhielt ich einen festen Bezirk – und das war glücklicherweise Heiligensee. 26 Jahre war ich dort als Zusteller tätig, eine tolle Zeit.

Wenn Sie Ihr Leben mit einer Farbe beschreiben würden, welche wäre das?
Natürlich gelb! Aber nicht nur wegen der Post. Gelb war schon immer meine Lieblingsfarbe.

Woher kommt Ihre große Leidenschaft für die Historie?
Das kann ich gar nicht so richtig erklären. Ich habe mich für die alten Sachen früher nie so interessiert. Das fing erst mit der Pensionierung an. Von Null auf 100 sozusagen. Ich habe dann natürlich auch die kennengelernt, die dasselbe Hobby haben. Klaus Schlickeiser und Gerhard Völzmann gehören dazu. Mittlerweile ist ein großes Archiv entstanden und kaum noch Platz für neues, doch seit 2006 digitalisiere ich glücklicherweise meine Schätze. Das ist wesentlich platzsparender.

In Lichtbildervorträgen zeigen Sie das historische Reinickendorf. Wie kam es dazu?
Ich habe im Haus Dannenberg einen vollkommen dilettantischen Diavortrag des Haus- und Grundbesitzervereins gesehen und war überzeugt davon: Ich kann das besser! Und so habe ich verschiedene Vorträge erarbeitet und dann über Alt-Heiligensee, den Flugplatz Schulzendorf, Tegel oder Borsigwalde berichtet. Der nächste Lichtbildervortrag handelt über Kirchen und wird in der Waldkirche in Heiligensee zu sehen sein. Einen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Herr Polzin, vielen Dank für das Gespräch.
Interview Christiane Flechtner

Letzte Änderung am Freitag, 09 Februar 2018 10:22

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Debüt „Außer sich“

Tegel – Zu einer Lesung mit Sasha Marianna Salzmann lädt die Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 am Mittwoch, 14. Februar, um 19.30 Uhr ein. Die Autorin präsentiert ihr Romandebüt „Außer sich“, das zu den sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2017 gehörte. Es ist die Geschichte des Zwillingpaares Alissa und Anton, die in Moskau aufwachsen und mit den Eltern nach Westdeutschland gehen. Eines Tages verschwindet Anton und Alissa macht sich auf die Suche nach ihm. Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater zeigt eine sehr eigene Sprache und ein virtuoses Spiel mit Raum und Zeit in der Schilderung des Geschehens. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf im Rahmen von „Lesezeichen – Literatur live in Tegel“ statt. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Philosophisches Café

Märkisches Viertel –  Märkisches Viertel – Im Philosophischen Café findet am 19. Februar, 15 bis 17 Uhr die Veranstaltung „Falsche Wertrealsierung“ statt. Kosten: 3 Euro. Ort: Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum, Günter-Zemla-Haus, Eichhorster Weg 32.

Offenes Singen

Hermsdorf –  Am 16. Februar gibt es von 19.30 Uhr bis 21 Uhr ein „Offenes Singen“ im Gemeindesaal der Apostel-Paulus-KG in der Wachsmuthstraße 25. Eingeladen sind alle, die Freude am Singen haben. Gesungen werden Hits und Evergreens von damals bis heute Der Eintritt kostet 6 Euro.

Kino für den Knast

Tegel – Tegel – Im Rahmen der Reihe „Berlinale Goes Kiez“ wird am 23. Februar im Kultursaal der JVA für die Insassen der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume gezeigt. Der Filmstoff beruht auf wahren Begebenheiten. Im Anschluss steht Regisseur für ein Gespräch zur Verfügung. Festivalchef Dieter Kosslick: „Mit der Sonderveranstaltung wird die Reihe noch mehr ihrem Anliegen gerecht, Barrieren abzubauen sowie kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

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