Die „letzte Freiheit“ besetzen

„Go zu erlernen dauert eine Stunde, es zu meistern ein ganzes Leben“, sagt man in China. „Go zu erlernen dauert eine Stunde, es zu meistern ein ganzes Leben“, sagt man in China. Foto: mfk

Tegel – Nach und nach trudeln sie an diesem Mittwochnachmittag ein im Konferenzraum der Humboldtbibliothek. Es sind die Männer und Frauen, die das Brettspiel „Go“ lieben und sich deshalb mittwochs zwischen 16 und 19 Uhr zum Spielen treffen. „Go ist schon 4.000 Jahr alt“, erzählt Lothar Herbing, der den Tegeler-Treff vor fast 20 Jahren ins Leben gerufen hat.
Die quadratischen Go-­Spielbretter und die schwarzen und weißen linsenförmigen Steine sind rasch auf den Tischen verteilt, und die Spieler setzen sich einander gegenüber hin.
Einer erhält die schwarzen, einer die weißen Steine, die sie abwechselnd auf die leeren Schnittpunkte der Brettlinien setzen. Die Spieler versuchen Gebiete zu bilden, indem sie Teile des Spielbrettes mit ihren Steinen vollständig umschließen.

Als „Freiheiten“ eines einzelnen Steins oder einer ganzen Kette bezeichnet man die freien Nachbarpunkte, die durch eine Brettlinie mit dem Stein oder der Kette verbunden sind. „Besetzt ein Mitspieler die letzte Freiheit eines gegnerischen Steines, darf er diesen herausnehmen“, erklärt Mario Trinkhaus, der gerade zusammen mit Lothar Herbing spielt. Jeder freie Brettpunkt im eigenen Gebiet und jeder vom Gegner gefangene Stein zählt einen Punkt.

Wer mehr Punkte hat, hat gewonnen. „Wir spielen auf einem 13er-Brett, das ist für noch nicht so Geübte einfacher“, erläutert eine weißhaarige Dame. Sie hat vor einem Jahr begonnen, Go zu spielen. Der ehemaligen Lehrerin macht besonders die Gemeinschaft Freude. „Außerdem halte ich mich damit auch geistig fit“, lächelt sie. „Ich habe erfahren, dass ich zum Beispiel erfolgreicher bin, wenn ich mich im Spiel auf ein bestimmtes Ziel konzentriere“, fährt sie fort. „Vor kurzem haben sich mir neue Perspektiven eröffnet in meinem Beruf, und ich bin überzeugt, dass meine Erfahrungen, die ich durch Go gesammelt habe, dabei eine Rolle gespielt haben“. Vor sieben Jahren ist sie durch ihre Kinder auf Go gestoßen, die das Spiel damals in einer Projektwoche in der Schule erlernt haben.

Die jüngsten Spieler beim Tegeler Go-Treff sind um die 20, die meisten sind jedoch deutlich älter. „Auch Kindern macht Go Spaß, wenn sie es zum Beispiel mit ihren Eltern erlernen“, sagt Mario Trinkhaus. Wer Go einmal auszuprobieren möchte, kann sich an Lothar Herbing, Tel. 0172/5 72 32 75, wenden oder an einem Mittwoch um 16 Uhr in die Humboldtbibliothek kommen. mfk

Letzte Änderung am Freitag, 09 Februar 2018 10:13

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Debüt „Außer sich“

Tegel – Zu einer Lesung mit Sasha Marianna Salzmann lädt die Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 am Mittwoch, 14. Februar, um 19.30 Uhr ein. Die Autorin präsentiert ihr Romandebüt „Außer sich“, das zu den sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2017 gehörte. Es ist die Geschichte des Zwillingpaares Alissa und Anton, die in Moskau aufwachsen und mit den Eltern nach Westdeutschland gehen. Eines Tages verschwindet Anton und Alissa macht sich auf die Suche nach ihm. Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater zeigt eine sehr eigene Sprache und ein virtuoses Spiel mit Raum und Zeit in der Schilderung des Geschehens. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf im Rahmen von „Lesezeichen – Literatur live in Tegel“ statt. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Philosophisches Café

Märkisches Viertel –  Märkisches Viertel – Im Philosophischen Café findet am 19. Februar, 15 bis 17 Uhr die Veranstaltung „Falsche Wertrealsierung“ statt. Kosten: 3 Euro. Ort: Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum, Günter-Zemla-Haus, Eichhorster Weg 32.

Offenes Singen

Hermsdorf –  Am 16. Februar gibt es von 19.30 Uhr bis 21 Uhr ein „Offenes Singen“ im Gemeindesaal der Apostel-Paulus-KG in der Wachsmuthstraße 25. Eingeladen sind alle, die Freude am Singen haben. Gesungen werden Hits und Evergreens von damals bis heute Der Eintritt kostet 6 Euro.

Kino für den Knast

Tegel – Tegel – Im Rahmen der Reihe „Berlinale Goes Kiez“ wird am 23. Februar im Kultursaal der JVA für die Insassen der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume gezeigt. Der Filmstoff beruht auf wahren Begebenheiten. Im Anschluss steht Regisseur für ein Gespräch zur Verfügung. Festivalchef Dieter Kosslick: „Mit der Sonderveranstaltung wird die Reihe noch mehr ihrem Anliegen gerecht, Barrieren abzubauen sowie kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

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