Zeuge der Vergangenheit: Wasserwerk Tegel

Eine Aufnahme des Wasserwerks Tegel um 1900. Eine Aufnahme des Wasserwerks Tegel um 1900. Foto: Sammlung Postmaxe-Polzin

Es ist still hier. Nur das Gezwitscher der Vögel ist zu hören. Könnten die roten Backsteingebäude reden, würden sie viele Geschichten erzählen. Denn sie stehen schon mehr als 100 Jahre an diesem Ort und sind stille Zeugen der Vergangenheit. Das Tegeler Wasserwerk geht zurück auf einen Beschluss der Gemeindevertretung vom 14. Februar 1898, der gleichzeitig auch den Bau einer Entwässerungs- und Kläranlage mit Anschluss Toiletten vorsah, damals Spülklosetts genannt.

Der Bau des Wasserwerkes
Auf einem für 40.000 Mark erworbenen Grundstück zwischen Tegel und Borsigwalde direkt an der Kremmener Bahn begann der Bau des Wasserwerks bereits im Mai 1898 nach den Plänen des Ingenieurbüros Prinz. 6.000 Einwohner zählte Tegel zur damaligen Zeit, doch das Wasserwerk mit seinen insgesamt 16 Rohrbrunnen war für eine Kapazität ausgelegt, um 16.000 Menschen mit Wasser versorgen zu können. Hierzu gehörte auch die Strafanstalt.

Die Kosten
Die Kosten gingen in die Höhe. War der Bau mit 225.000 Mark veranschlagt, überschritten die tatsächlichen Kosten in Höhe von 293.583 Mark diese Summe um über 30 Prozent.

Der Turm
Wahrzeichen der Anlage war der 30 Meter hohe Turm. In den 400 Kubikmeter fassenden Behälter des Turmes wurde tagsüber Wasser gepumpt. Diese Menge stellte ein ausreichendes Reservoir für die Nacht dar, und die Pumpen wurden abgeschaltet.

Erweiterungsbauten
In Tegel wuchs die Einwohnerzahl, und so wurde auch das Wasserwerk vergrößert. Erweiterungsbauten wie eine zweite Enteisenungs-Anlage im Jahr 1902 und ein Maschinenhaus 1907/1908. Ferdinand Breitfeld war der Betriebsführer des Komplexes, und er beschäftigte jeweils sechs oder sieben Mitarbeiter. Der im Jahr 1866 Geborene war ausgebildeter Brunnenbauer und hatte eine Dienstwohnung auf dem Gelände. Er erhielt für seine Tätigkeit 3.500 Mark pro Jahr. Er konnte 1912 vom Wasserturm aus das Feuer der Mühle in Tegel miterleben. Der Feuerschein war bis zum Wasserwerk zu sehen. Nach der Heirat von Karoline Schreep 1893 wurden insgesamt drei Kinder geboren, und die „Wasserwerksfamilie“ lebte friedlich im Dienstgebäude mit roten Steinen und Krüppelwalmdach. Die Umgebung des Wasserwerkes war zu dieser Zeit noch unbebaut.

Das Wasserwerk heute
Mit der Eingemeindung Tegels in die Stadt Berlin im Jahr 1920 wurde wenig später auch die Wasserversorgung zentralisiert und das Tegeler Wasserwerk 1924/1925 stillgelegt. Das Maschinenhaus wurde drei Jahre später in ein Wohnhaus umgebaut, und ein Rohrmeisterbüro wurde zu einer zentralen Werkstatt für Rohrverlegungen und -unterhaltungen umfunktioniert.
Um Kosten einzusparen, wurde der Turm 1928 abgebaut. Zu dieser Zeit war Ferdinand Breitfeld immer noch beim Wasserwerk beschäftigt. Erst 1932 wurde er pensioniert und zog später mit seiner Frau in die Veitstraße 39 nach Tegel um. Einige Gebäude des Wasserwerkensembles stehen noch heute zwischen der Trettachzeile und dem Trepliner Weg und sind mittlerweile denkmalgeschützt. Ganz hinten auf dem Gelände befindet sich ein kleines Waldstück. fle

Letzte Änderung am Donnerstag, 25 Januar 2018 13:38

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Debüt „Außer sich“

Tegel – Zu einer Lesung mit Sasha Marianna Salzmann lädt die Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 am Mittwoch, 14. Februar, um 19.30 Uhr ein. Die Autorin präsentiert ihr Romandebüt „Außer sich“, das zu den sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2017 gehörte. Es ist die Geschichte des Zwillingpaares Alissa und Anton, die in Moskau aufwachsen und mit den Eltern nach Westdeutschland gehen. Eines Tages verschwindet Anton und Alissa macht sich auf die Suche nach ihm. Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater zeigt eine sehr eigene Sprache und ein virtuoses Spiel mit Raum und Zeit in der Schilderung des Geschehens. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf im Rahmen von „Lesezeichen – Literatur live in Tegel“ statt. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Philosophisches Café

Märkisches Viertel –  Märkisches Viertel – Im Philosophischen Café findet am 19. Februar, 15 bis 17 Uhr die Veranstaltung „Falsche Wertrealsierung“ statt. Kosten: 3 Euro. Ort: Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum, Günter-Zemla-Haus, Eichhorster Weg 32.

Offenes Singen

Hermsdorf –  Am 16. Februar gibt es von 19.30 Uhr bis 21 Uhr ein „Offenes Singen“ im Gemeindesaal der Apostel-Paulus-KG in der Wachsmuthstraße 25. Eingeladen sind alle, die Freude am Singen haben. Gesungen werden Hits und Evergreens von damals bis heute Der Eintritt kostet 6 Euro.

Kino für den Knast

Tegel – Tegel – Im Rahmen der Reihe „Berlinale Goes Kiez“ wird am 23. Februar im Kultursaal der JVA für die Insassen der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume gezeigt. Der Filmstoff beruht auf wahren Begebenheiten. Im Anschluss steht Regisseur für ein Gespräch zur Verfügung. Festivalchef Dieter Kosslick: „Mit der Sonderveranstaltung wird die Reihe noch mehr ihrem Anliegen gerecht, Barrieren abzubauen sowie kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

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