Popchor mit ganz eigener Note

Spaß an schrägen Interpretationen: Chorleiter Carsten Gerlitz (vorn) mit seinen Happy Disharmonists Spaß an schrägen Interpretationen: Chorleiter Carsten Gerlitz (vorn) mit seinen Happy Disharmonists Foto: Stefan Weber

Hermsdorf/Lübars – Für Max Raabe und sein Palastorchester, die Wise Guys und Reinhard Mey hat Carsten Gerlitz schon gearbeitet – und auch für die Sesamstraße. Er hat sogar die Handynummer von Ernie, darauf ist er besonders stolz.

Der gebürtige Hermsdorfer arbeitet seit Abschluss seines Musikstudiums als Musiker, Arrangeur und Autor. Seine Klavier- und Chorarrangements sind in über 250 Publikationen erschienen.
Neben all dem ist Carsten Gerlitz außerdem Chorleiter der „Happy Disharmonists“. Impulsgeberin für den „etwas anderen“ Chor war eine gesangsbegeisterte Musiklehrerin vom Georg-Herwegh-Gymnasium in Hermsdorf. „Ich hatte 1982 den Leistungskurs Musik gewählt“, beschreibt Gerlitz, „Wir waren über 20 Schüler im Kurs, der von Almut Zirr geleitet wurde. Sie war damals eine sehr aktive Lehrerin und machte viele tolle Projekte. Mit den Kursteilnehmern gründete sie einen Chor, dessen Vision war, etwas ganz anderes zu singen als die üblichen Chorwerke. Unterstützung für die Arrangements bekam sie von einem Schulmusikkollegen. Er bearbeitete Lieder von den Comedian Harmonists wie „Veronika“ oder den „kleinen grünen Kaktus“. Das Arrangement war a-cappella und fünfstimmig – das gab es damals so nicht in der Chormusik, heute ist es Standard. Wir sollten auch nicht nach Noten singen, sondern auswendig. Das war im Grunde damals alles visionär.“

Eine Kursfahrt führte 1983 nach Wien, und überall, wo der Chor die Lieder sang, waren die Leute begeistert. Daraufhin beschlossen einige aus dem Kurs, auch nach dem Abitur als Chor aufzutreten. Zur ersten Chorprobe kamen sieben, zur zweiten schon 14 ehemalige Schüler. Bei der dritten oder vierten Probe kamen noch Freunde dazu, und der Chor zählte 21 Sänger. Das reichte, mehr sollten es nicht mehr werden. Und da die Chorleiterin nun fehlte, übernahm Gerlitz die Aufgabe. Noten für Popchöre gab es auch keine, auch hier zeigte Carsten Gerlitz Einsatz: Er schrieb die Arrangements. Und so ist es seit über 30 Jahren geblieben. „Laut einer Studienarbeit sind wir angeblich der älteste A-cappella-Popchor Deutschlands“, freut er sich.

Als Dozent in Chorleiterfortbildungen ist Carsten Gerlitz in ganz Deutschland und Österreich unterwegs. Den Schulmusikern gibt er Tipps, wie man einen Chor leitet „oder wie ich denke, wie man es macht.“

Der Chor ist viel herumgekommen: Wien haben die Disharmonists 1993 wieder besucht. Regelmäßige Fahrten führten außerdem zu Konzerten und Auftritten nach Prag, Dresden und Leipzig, Marburg, Erfurt, Bremen, Hamburg und an das Steinhuder Meer. Aber auch zum Proben nach Mallorca oder an die Ostsee. 2009 wurden die Disharmonists zu einer Konzerttournee nach Namibia eingeladen. Und immer wieder ist der Chor auch im Berliner Norden zu hören: im Lübarser Labsaal und im Frohnauer Centre Bagatelle. Und seit vielen Jahren ist es Tradition geworden, am Abend des dritten Advents auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt zu singen. Besonders stolz sind die Happy Disharmonists auf ihre drei Konzerte in der „Bar jeder Vernunft“. „Und wir waren immer ausverkauft!“, freut sich der Chorleiter. Neben den Konzerten singen die Disharmonists auch unregelmäßig beim „Blauen Montag“, bei Arnulf Rating – Lübarser Nachbar – in den Wühlmäusen.

Seinem Motto, „etwas anders“ zu sein, ist der Chor treu geblieben. Wenn es auch mittlerweile sehr viele Popchöre gibt, die Disharmonists haben ihren ganz eigenen Stil behalten: Sie nehmen sich selber nicht so ernst und präsentieren ihr Programm mit viel Humor: Sie singen zum Beispiel Monty Python oder veralbern Schlager wie „Eine neue Niere ist wie ein neues Leben“. Aber auch „Peter und der Wolf“ wird auf die Schippe genommen. Hier ist der Großvater aber Darth Opa, hat ein Lichtschwert und im Teich schwimmt nicht nur die Ente, sondern auch noch der weiße Hai und das alles a-cappella. Denn: Konzerte, in denen nicht gelacht wird, sind doof! Neben den humorigen Bearbeitungen erklingen immer wieder auch eigene Arrangements von Popklassikern. Stücke von Pink Floyd, Alan Parsons, David Bowie und natürlich die Beatles gehören zum Repertoire des Chores. Und wer sie auf der Bühne verpasst hat, wird auf Youtube fündig.

Das nächste Konzert der Happy Disharmonists in Reinickendorf findet am Samstag, 24. Februar um 19 Uhr im Labsaal in Lübars statt. ajö

Letzte Änderung am Donnerstag, 04 Januar 2018 10:39

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Happy Disharmonists im LabSaal

Lübars – Die RAZ berichtete in der letzten Ausgabe über den fröhlichen und unkonventionellen A-cappella-Popchor aus Hermsdorf. Seit mehr als 30 Jahren präsentieren die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Carsten Gerlitz Pop und Jazz bis hin zu den edelsten Schlagerentstaubungen. Die nächste Vorstellung der Happy Disharmonists findet am Samstag, 24. Februar, um 19 Uhr im Labsaal, Alt-Lübars 8, in Lübars statt. Die Karten kosten zwischen 13 und 5 Euro.

Häkeln, stricken, nähen

Reinickendorf – Das Familien- und Stadtteilzentrum „Haus am See“, Stargardt­straße 9, ist eine Einrichtung des Bezirksamtes und bietet viele Gruppen und Kurse. So findet dienstags von 15 bis 18 Uhr eine offene Strick- und Häkelgruppe im Café statt. Die Nähgruppe für Frauen trifft sich mittwochs von 10 bis 12 Uhr und die Handarbeitsgruppe für Frauen donnerstags von 10 bis 12 Uhr. Wer gern zu einer Gruppe dazu kommen möchte, kann sich telefonisch unter (030) 43 72 28 22 melden.

Die 13 Monate

Märkisches Viertel – Zu einem literarisch-musikalischen Jahresausblick am 13. Januar, 17 Uhr, lädt das Blechbläserensemble Tegel+ in die Apostel-Johannes-Kirche, Dannenwalder Weg 167, ein. „Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt“, so heißt es in Erich Kästners Gedichtzyklus „Die 13 Monate“. Auf heiter-melancholische Art beschreibt er darin den Jahreslauf des Großstädters. Mit den Gedichtlesungen wird romantische und moderne Bläser- und Orgelmusik von Edvard Grieg, Sigfrid Karg-Elert, Dieter Wendel und Michael Schütz korrespondieren. Für dieses Projekt haben sich das Bläserensemble Tegel+ und der Bläserkreis der Apostel-Johannes-Gemeinde zusammengetan. Die Orgel wird gespielt von Heidemarie und Markus Fritz. Die Gedichte wird Heidemarie Fritz rezitieren. Der Eintritt ist frei.

Hausmusik

Tegel – Zur Hausmusik wird am Samstag, 27. Januar, in den Gemeindesaal der Ev. Hoffnungskirche Neu-Tegel, Tile-Brügge-Weg 49-53, eingeladen. Ab 15 Uhr, heißt es „Viva, viva la musica! – Es lebe die Musik!“. Wer ein Instrument spielt oder singt, kann etwas Musikalisches vorbereiten und während dieses Musiziernachmittags vortragen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um die Freude am Musizieren; deshalb sind Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen willkommen. Zuhörer sind ebenfalls gern gesehen. Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Anmeldung bis zum 17. Januar bei Markus Fritz, telefonisch unter (030) 50 56 56 44, gebeten.

Ausstellung im Schollen-Treff

Wittenau – „Inselland-schaften-Landschaftsinseln_Blütenträume“ lautet das Motto einer Ausstellung, die mit der Vernissage am Sonntag, 14. Januar, 15 Uhr, eröffnet wird. In der Exposition sind Gemälde von Rina Meinhold zu sehen. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 11. Februar, jeden Sonntag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Veranstaltungsort ist der Schollen-Treff-Wittenau in Alt-Wittenau 41b.

Konzert mit Chor in der Dorfkirche

Lübars – Ein „Nach-Weihnachtskonzert“ findet am Sonntag, 14. Januar, um 17 Uhr in der Dorfkirche Lübars, Alt-Lübars 24, statt. Gestaltet wird das Konzert vom sechsstimmigen Männerchor „Avid“, in dem auch ehemalige Sänger des Dresdner Kreuzchores singen. Vorgetragen werden alte und neue Weihnachtslieder, eingerahmt von kleinen Lesungen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

„Kirschendiebin“ in Tegel

Tegel – Am Mittwoch, 31. Januar, um 19.30 Uhr liest Helga Schütz aus ihrem Roman „Die Kirschendiebin“ anlässlich der Reihe „Lesezeichen – Literatur live in Tegel“. Eine leichte Melancholie liegt über dieser Geschichte, die von einem Abschiednehmen in den Zeiten der Teilung erzählt, den Wendungen des Schicksals und der Liebe. Eintritt: 7, ermäßigt 4 Euro. Ort: Humboldt-Bibliothek, Karolinenstraße 19.

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