Die beste Schule für das Leben

Auf der Dachterrasse des Soho House: Eleonora Alexandrova Meyden wollte schon immer hoch hinaus. Auf der Dachterrasse des Soho House: Eleonora Alexandrova Meyden wollte schon immer hoch hinaus. Foto: bek

Bezirk – Sie kam, als die Mauer noch stand. Eleonora Alexandrova Meyden war gerade volljährig, als sie in Ost-Berlin eine Freundin besuchte. Nach ein paar Tagen sollte es zurück in ihre Heimat nach Sofia gehen, der Hauptstadt von Bulgarien. Aber es kam alles ganz anders. Die junge Eleonora, die eine klassische Ausbildung als Ballerina genossen hatte und Ballett und Pädagogik studierte, begleitete ihre Freundin zum Training und machte mit. Das beobachtete der Regisseur des Friedrichstadtpalastes und war angetan von dem, was er da sah. Eleonora erhielt kurz darauf ein Angebot des international renommierten Hauses, ihr Leben bekam eine unerwartete neue Wendung.

„Erst wollte ich nicht, ich war ja noch so jung, schüchtern und verängstigt in der großen fremden Stadt und dem komplett neuen Umfeld“, erzählt die heute 48-Jährige. Wir treffen sie hoch über der Stadt in der Dachetage des Soho House, einem Business Member Club an der Torstraße in Mitte. Am Nachbartisch sitzt Andreas Bourani, der 2014 den WM-Hit „Auf uns“ gesungen hat. Das passt schon von der Symbolik her, denn hoch hinaus führte sie auch ihr beruflicher Weg. Den lässt sie nun gegenüber dem Fernsehturm am Alex Revue passieren.

Im Herbst 1989 hatte sie ihren ersten Auftritt im Friedrichstadtpalast. Es war der 9. November, als plötzlich das Publikum beinahe fluchtartig den Saal verließ. „Ich habe geglaubt, ich hätte etwas falsch gemacht“, lacht sie. Die Vorstellung wurde abgebrochen. „Ich habe erst nicht verstanden, was los ist. Ich fuhr mit der S-Bahn nach Wartenberg, wo ich eine kleine Wohnung hatte. Die Züge, die mir entgegen kamen, waren brechend voll. Meine Mama hat mich angerufen und gefragt, ob mit mir alles in Ordnung ist.“ Natürlich war es das: Es war der Tag, an dem die Mauer fiel.

Für die junge Bulgarin wurden aus zunächst angedachten einigen Monaten in Berlin inzwischen 28 Jahre in Deutschland. Sie war auch einige Zeit in München, wo sie Public Relations und Marketing studierte. „München hat mich auch zu manchen Projekten inspiriert, aber mein Herz, das gehört Berlin. Die Stadt hat mich verhext.“ Auch deshalb hat sie Angebote, etwa aus Las Vegas und sogar vom Lido in Paris ausgeschlagen.

Und einen Koffer hat sie auch in Reinickendorf. Denn in den Fuchsbezirk kommt die in Mitte wohnende schwarzhaarige Frau regelmäßig. Sie gibt Tanzkurse für Kinder und Erwachsene im Atrium im Märkischen Viertel, sie ist Choreographin verschiedener Musicals. Zuletzt von „Cats“ 2016 und „Oklahoma“, das im Oktober 2017 aufgeführt wurde, und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Ihr zweites Standbein sind choreografisch und pädagogisch erstellte Mental- und Körpersprache-Trainingskurse für Führungskräfte und Mitarbeiter in der Wirtschaft. Auch gibt sie erlebnispädagogische Kurse in einigen Einrichtungen für schwer erziehbare und abhängige Jugendliche sowie in mehreren Universitäten. „Ich frage die Studenten: Geht es dir nur ums Geldverdienen oder auch darum, etwas zu entwickeln? Menschen zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung zu führen, darin liegt meine Leidenschaft“, sagt sie. Ihr Konzept hat sie schon erfolgreich an mehrere Hochschulen und Universitäten in Berlin, Hannover und Braunschweig vermittelt. Es ist aber eine Pionierarbeit, welche sich nicht jede Universität oder Hochschule leisten will.

Eleonora Alexandrova Meyden, die mehr als 20 Jahre als Solotänzerin und Primaballerina das Publikum im Friedrichstadtpalast begeisterte, staunt immer wieder, was bei den Schülern an brachliegendem Potenzial freigesetzt werden kann. „Da passieren unglaubliche Entwicklungen. Es ist sensationell, wie die Kinder im Atrium ihre Neugierde ergründen, eigene Grenzen finden und mit vollem Enthusiasmus lernen zu überspringen. Sie blühen regelrecht auf.“ Tanzen sei eben viel mehr als nur Bewegung, es gehe um Zielsetzungen, um die Psyche, um mentales und körperliches Gleichgewicht, um Disziplin und Ästhetik. „Eine bessere Schule für das Leben gibt es nicht“.

Seit einiger Zeit geht sie auch mit Unterstützung der Musikschule Reinickendorf in Flüchtlingsheime. „Da erlebe ich die tollsten Sachen“, sprudelt es aus ihr heraus. „Während die hier aufgewachsenen Kinder meist Distanz halten, kommen die Flüchtlingskinder auf dich zu und müssen dich umarmen.“ Eigentlich bedauert Eleonora, die fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs ist, nur eins: „Dass der Tag nur 24 Stunden hat.“ Immerhin eine davon hat sie der RAZ geopfert. Danke dafür. bek

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Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

Soul in der Dorfkirche

Hermsdorf – Zur Adventszeit kommt die Singer-Songwriterin Nina Hill in die Dorfkirche Hermsdorf, Almutstraße 6. Die Musikerin aus Los Angeles steht für Soul, Gospel und Rythm and Blues. Nina Hill stand schon mit vielen Musikgrößen auf der Bühne, darunter Legenden wie B.B. King und James Brown. Zu hören sein werden Gospelsongs und Christmas-Klassiker. Die „Real Good, Feel Good Music – Christmas Show“ findet am 16. Dezember um 19 Uhr und am 17. Dezember um 17 Uhr statt. Die Karten für das Konzert kosten 15 ermäßigt 10 Euro. Reservierungen unter Tel. (030) 2064 3600.

Rumpelstil im Ernst-Reuter-Saal

Wittenau – Am 2. Advent lädt die Taschenlampenkonzertband Rumpelstil im Rahmen der „Reinickendorf Classics“ zum Weihnachtssingen ein. Die Veranstaltung findet am 17. Dezember um 16 Uhr im Ernst-Reuter-Saal, Eichborndamm 215, statt. Karten können unter Tel. (030) 4799 7423 oder an den Theaterkassen sowie an der Tageskasse erworben werden.

„Weihn8sRehwü“ im Atrium

Märkisches Viertel – Am Senftenberger Ring 97 wird es weihnachtlich, denn die Jugendkunstschule Atrium führt in Koproduktion mit der Faster-Than-Light-Dance-Company bereits zum achten Mal die „Weihn8sRehwü“ auf. Dabei laden die Darsteller zu einem choreographischen Adventskalender mit Tanz, Schnee und Geschenken ein. Vom 8. bis zum 16. Dezember startet der Weihnachtsspaß jeweils um 20 Uhr (außer Sonntag) und am 9. sowie am 16. Dezember jeweils um 15 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro (6 ermäßigt). Kartenvorbestellung unter Tel. (030) 5091 4448.

Weihnachtsoratorium

Reinickendorf – Johannes Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium und die Adventszeit gehören für viele Menschen zusammen. Auch Reinickendorfer können am 10. Dezember um 16 Uhr in den Genuss der Kantaten I, II und VI kommen, die in der Kirche St. Marien, Klemkestraße 7, vom Neuen Kammerorchester Potsdam unter der Leitung von Martin Rathmann aufgeführt werden. Der Eintritt kostet 15 Euro (10 ermäßigt). Karten können unter Tel. 0176-6491 7944 oder per E-Mail unter bach-wo-2017@t-online.de vorbestellt werden. Die Abendkasse öffnet 45 Minuten vor der Aufführung.

Zwei Deutsche für ein Halleluja

Reinickendorf – Am 8. Dezember findet die musikalische Lesung „Luther& Lindenberg“ in der Baptistenkirche, Alt-Reinickendorf 32, statt. Der Gitarrist Werner Hucks und der Theologe Uwe Birnstein kommen zu dem Schluss, dass Luther und Lindenberg Seelengefährten sind. Hucks begleitet die Lesung mit eigenen Bearbeitungen von Lindenberg-Songs. An der Abendkasse kosten die Karten 12 Euro.

„Winter, Wehmut, Weihnacht“ – Chorchonzert

Tegel – Die Chorakademie Berlin (Sopran & Alt) tritt am 3. Advent am 17. Dezember um 17 Uhr in der Joseph-Kirche, Bonifaziusstraße (Joseph-Siedlung) auf. Unter der Leitung von Florian Wilkes – Organist an der Hedwigskathedrale – widmet sich der Chor hauptsächlich den weniger bekannten Werken klassischer Chormusik. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Familiengottesdienst und Mal-Oase

Hermsdorf – Die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Hermsdorf lädt am 10. Dezember um 14 Uhr zum Familiengottesdienst in die Apostel-Paulus-Kirche, Wachsmuthstraße 25, ein. Im Anschluss an diesen findet in der Mal-Oase der Kirche eine Vernissage statt. Außerdem werden vor dem Gebäude Stände aufgebaut, an denen die Gemeindegruppen Gebasteltes, Genähtes und Weihnachtliches anbieten. Für die kleinen Besucher gibt es zwei Bastelstuben.

Führung rund um die JVA Tegel

Reinickendorf – Am 5. Dezember bietet das Projekt „Miteinander im Kiez“ die Gelegenheit, den Historiker und Autor Meinhard Schröder auf einer Führung zu der Geschichte der JVA Tegel zu begleiten. In dieser traten schon der Hauptmann von Köpenick, Dietrich Bonhoeffer und Andreas Baader ihre Haftstrafe an. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Haupteingang der JVA Tegel, Seidelstr. 39. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung bei Katja Labidi, Tel. unter 1520 723 63 85 oder per E-Mail: k.labidi@hvd-bb.de wird gebeten.

Mach Fertig – Die Extase des Versagens

Wittenau – Mit Dreitagebart und Wohlstandsbäuchlein mischt sich der Comedian Hans Werner Olm wieder tabulos unters Volk. Mit seinen Bühnenfiguren und der ein oder anderen Gesangseinlage im Gepäck, berichtet Olm wieder vom Wahnsinn des Alltags. Mit seinem Neuen Programm „Mach fertig“ schlägt er wieder zu und bietet eine humoristische Lebensberatung. Hans Werner Olm ist ein Musik- und Kabarett-Klassiker der speziellen Art. Zu erleben ist der gebürtige Bochumer am 16. Dezember, 19 Uhr im Ernst Reuter- Saal, Eichborndamm 213. Die Karten kosten zwischen 23, 27 und 32 Euro, ermäßigt 16 Euro.

Ulrike Draesner liest in der Humboldt-Bibliothek

Tegel – Ulrike Draesner, eine der profiliertesten deutschsprachigen Autorinnen, wird am 13. Dezember in der Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 aus ihrem Gedichtband „Subsong“ vorlesen. In ihrer Lyrik lädt sie ein zu surreal-poetischen Assoziationen. Moderiert wird diese besondere Lesung vom Leiter der Reinickendorfer Bibliotheken, Dr. Dirk Wissen. Der Eintritt ist frei.

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