Neue Schulen für die Stadt

Demonstration vor dem Ratskeller  Demonstration vor dem Ratskeller Foto: bek

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran. Der Songtext der Band „Fehlfarben“ aus der Blütezeit der Neuen Deutschen Welle passt mehr als 30 Jahre später ganz gut zum größten Investitionsvorhaben des Berliner Senats in der laufenden Legislaturperiode.

Nachdem Schulgebäude in der jüngeren Vergangenheit in Berlin vor sich hindümpelten und der Zahn der Zeit sichtbar an der baulichen Substanz nagt, geht man nun in die Offensive: 5,5 Milliarden Euro stehen für das insgesamt auf zehn Jahre ausgerichtete Programm zur Verfügung. Es wird die Mammutaufgabe der näheren Zukunft, es soll nun tatsächlich vorangehen.
Wachsende Stadt, steigende Schülerzahlen – Schlagworte, die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen und die natürlich auch Reinickendorf betreffen. „Nachdem jahrelang nichts getan wurde und die Schulbau-Politik kein Ruhmesblatt für die Berliner Politik war, egal ob unter Rot-Rot oder Rot-Schwarz, müssen wir uns jetzt fragen: „Wuppen wir das, so viel Geld vernünftig auszugeben?“, fragte bei Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 10. Januar Mieke Senftleben von der Freien Demokratischen Partei. Im Ende 2015 veröffentlichten Schulbau-Scan wurde ein Sanierungsstau von 375 Millionen Euro in Reinickendorf ermittelt.

Nun sollen bestehende Gebäude saniert werden und neue Schulen entstehen. In Reinickendorf-Ost wird an der Aroser Allee Ecke Thurgauer Straße eine Grundschule mit vier Zügen für 576 Schüler gebaut, dazu eine Dreifelder-Sporthalle. Das bestätigte auf der BVV-Sitzung Schulstadtrat Tobias Dollase. Die am 4. Januar gegebene Zusage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen war da noch ganz frisch.

Wann die ersten Schüler hier ihre Lerntätigkeit aufnehmen, konnte Dollase freilich noch nicht beantworten. Andreas Rietz von Bündnis 90/Die Grünen war dennoch hocherfreut: „Das ist eine sehr positive Nachricht, dafür haben wir eine ganze Legislaturperiode gekämpft.“

„In den nächsten Jahren werden die Schülerzahlen sowohl im Grundschulbereich als auch im Oberschulbereich ansteigen“ sagte Dollase, der auf eine schriftliche Anfrage der RAZ antwortete. „Die Prognosen stellen sich im Grundschulbereich (ein Zug besteht aus 144 Schülerinnen und Schülern) wie folgt dar: 2016/17 bestand eine Nachfrage von 90 Zügen (Schülerzahl gesamt ca. 12.960). Die derzeit vorhandene Kapazität beträgt 95 Züge.“ Für das Schuljahr 2021/22 erwartet Dollase eine Nachfrage von 97 Zügen, für 2024/25 eine von 104 Zügen, die Schülerzahl würde auf 14.976 ansteigen. Dabei entwickelten sich die Schülerzahlen in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Dollase: „Während die Schülerzahlen in Reinickendorf-Ost und Reinickendorf-West stark ansteigen, sind in den Regionen Frohnau, Hermsdorf und auch Heilgensee/Konradshöhe bis 2024/25 keine Steigerungen der Schülerzahlen zu erwarten.“

Räumlicher Bedarf wird gedeckt werden
Der räumliche Bedarf werde in den nächsten Jahren durch folgende Baumaßnahmen gedeckt: Die Märkische Grundschule werde von einer 2,5-Zügigkeit zu einer 4-Zügigkeit erweitert, die zweizügige Havelmüller-Grundschule auf drei Züge sowie die 2,7-zügige Alfred-Brehm-Grundschule um einen halben Zug. Dazu käme noch der Neubau in Reinickendorf-Ost, während am Freiheitsweg eine sogenannte Typensporthalle (Dreifelderhalle mit Tribüne) für den Sportunterricht der Kolumbus-Grundschule, der Till-Eulenspiegel-Grundschule und darüber hinaus für den Vereinssport errichtet werde.

Mehr Schüler im Oberschulbereich
Im Oberschulbereich, also Integrierte Sekundarschule (ISS) und Gymnasium, erfolge eine Aufnahme von Schülern im Gegensatz zu Grundschulen überregional. Auch hier sei mit einer kontinuierlichen Steigerung der Schülerzahlen zu rechnen. Bei Integrierten Sekundarschulen entspricht ein Zug 100 Schülern, 2016/17 habe eine Nachfrage von 50 Zügen (5.000 Schüler) bestanden. Die derzeit vorhandene Kapazität betrage 49 Züge, was sich bis 2024/25 auf 54 Züge steigern werde. Der räumliche Mehrbedarf solle dadurch gedeckt werden, dass die Schulpraktischen Seminare aus der Paul-Löbe-Schule in das Thomas-Mann-Gymnasium verlegt werden und so ein zusätzlicher Zug entstehen kann. Der ehemalige Schulstandort der Ellef-Ringnes-Grundschule im Stolpmünder Weg 45 wird zu einem Oberschulstandort qualifiziert und soll als Filialbetrieb der Albrecht-Haushofer-Schule hergerichtet werden, wodurch zwei zusätzliche Züge entstehen. Und geplant ist die Erweiterung der vierzügigen Carl-Bosch-Schule zu einer sechszügigen ISS. Bei den Gymnasien im Bezirk seien die Kapazitäten ausreichend. 2016/17 gab es eine Nachfrage von 40 Zügen (Schülerzahl gesamt bei 116 Schülern pro Zug 4.640), die bis 2014/25 auf 43 Züge ansteigen werden. Die derzeit vorhandene Kapazität betrage aber bereits 45 Züge.

Sanierungsstau schon lange bekannt
Der Sanierungsstau in allen politischen Ebenen sei längst als Problem erkannt, sagt Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt „Aber sind die Bezirke dieser Herkulesaufgabe überhaupt gewachsen?“ Die Fäden laufen in der gemeinsamen „Geschäftsstelle Schulbauoffensive der Berliner Bezirke“ (GSB) in Neukölln zusammen. Darüber hinaus wurden drei Regionalverbünde geschaffen. Im Regionalverbund Nordwest arbeiten die Bezirksämter Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Reinickendorf zusammen. Die Geschäftsstelle wird demnächst in Reinickendorf eingerichtet, „wahrscheinlich in der Teichstraße“, teilte Schultze-Berndt mit. Am 5. Januar traf sich der Regionalverbund Nordwest, im Februar soll das nächste Treffen zustande kommen.

Gründung einer Schulbau-Gesellschaft
Die GSB und die Regionalverbünde steuern die Abläufe und Ressourcen der überbezirklichen Zusammenarbeit und fungieren dabei als Serviceeinheiten für die Bezirke. Die Wohnungsbaugesellschaft Howoge soll eine Tochtergesellschaft gründen, einen Teil der Neubaumaßnahmen sowie einen Teil der großen Sanierungs- und Instandhaltungsprojekte übernehmen und hierfür Kreditfinanzierung in Anspruch nehmen. Nach Fertigstellung der Bauten bzw. der Sanierung zahlt das Land Berlin für die Nutzung der Schulräume Miete an die Howoge Nach 20 bis 25 Jahren erfolgt der Heimfall, das Eigentumsrecht an den Liegenschaften geht dann zurück an das Land Berlin.

Gilbert Collé von der SPD warf die Frage nach dem Personal und die ausführenden Baufirmen auf. „Schule und Bauen sind eng miteinander verzahnt. Jetzt kommt es darauf an, dass alle Ebenen miteinander kooperieren. Wir müssen den Menschen sagen können: Was wird wann und wo mit welchen Mitteln saniert?“ Dazu sei viel Transparenz wichtig. Felix Lederle von den Linken freute sich über „ein gemeinsames Projekt, einen demokratischen Geist der Überparteilichkeit und die überbezirkliche Zusammenarbeit“. Seine Parteikollegin Marion Kheir vermisste eine Konkretisierung im Fall des Campus Hannah Höch. Auf Nachfrage der RAZ sagt Dollase: „Im vergangenen Jahr wurde im Eingangsbereich des Oberschulteils (Haus 5) die Decke/Beleuchtung saniert. Nunmehr erfolgt eine Sanierung der Dachfläche.“

Die FDP übrigens hätte anstelle der verschiedenen Regionalverbünde eine zentrale Stelle wie im Modell Hamburg bevorzugt. Mieke Senft­leben: „Eine GmbH könnte besser wirken und arbeiten.“ Andreas Rietz von den Grünen gab noch zu bedenken: „Der aktuelle Stand betrifft ja nicht nur den Zustand der Gebäude. Für mich steht auch im Vordergrund, dass wir vielleicht einmalig die Chance haben, die Schullandschaft auch hinsichtlich ihrer pädagogischen Konzepte auf den Prüfstand zu stellen.“ Und der Regionalverbund ließe noch viele Fragen offen, beispielsweise bei der Personalrekrutierung: „Ich hoffe, es gelingt, Architekten und Bauingenieure zu finden, die wir im Schulbau einsetzen können. Ich empfehle dabei, vielleicht einen Stand bei der Ende Februar in Berlin stattfindenden Messe Bautec aufzubauen und dort qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.“ Wie gesagt: Es geht voran.

Bernd Karkossa

Letzte Änderung am Dienstag, 06 Februar 2018 15:03

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Meldungen kurz & knapp

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Gabriele-von-Bülow-Gymnasium lädt ein

Tegel – Am 6. Januar findet im Gabriele-von-Bülow-Gymnasium, Tile-Brügge-Weg 63, ein Tag der offenen Tür statt. Das Gymnasium hat ab Klasse 7 einen bilingualen Zweig (Deutsch-Englisch). Als 2. Fremdsprache wird Französisch oder Latein, als 3. Fremdsprache Polnisch angeboten. Die Schule ist ab 9.30 Uhr geöffnet, das Programm findet von 10 bis 13 Uhr statt, mit zwei Informationsveranstaltungen um 10 Uhr und um 11.30 Uhr.

Weihnachtsmusical: Wir folgen dem Stern

Reinickendorf – Am Donnerstag, 21. Dezember, und am Heiligabend wird das Weihnachtsmusical von Peter Menger aufgeführt, welches mit rund 30 Kindern und 10 Erwachsenen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern einstudiert wurde. Das Mini-Weihnachtsmusical zeigt die Reise der drei weisen Sternendeuter, ihren Weg durch die Wüste, ihre Begegnung mit König Herodes und ihre Ankunft im Stall zu Bethlehem. Die Vorstellungen finden in der Begegnungskirche, Gotthardstraße 35, am 21. Dezember um 17 Uhr und am Heiligabend um 16 Uhr statt. Der Eintritt ist frei, Spenden werden gern angenommen.

Konzert in der Herz-Jesu-Kirche

Tegel – Mit einem festlichen Konzert feiert die katholische Pfarrgemeinde Herz Jesu Tegel am Brunowplatz am Sonntag, 7. Januar, ab 17 Uhr das Ende der Weihnachtszeit. Auf dem Programm stehen Werke für Chor, Solisten, Orgel und Orchester, darunter Auszüge aus dem Oratorium „Die heiligen drei Könige“ von Heinrich Fidelis Müller, sowie Werke aus der melodienreichen Tradition der englischen Kathedralmusiken. Unterstützung erhalten Solisten und Chor von Musikern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Ulrich Wünschel. Der Eintritt ist frei.

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